260  2.  Buch.  7.  Kapitel.

um.  von  Passau  stand  gegen  den  Kaiser  und  für  Alexander  III.,  während
in  Augsburg  der  Bischof  es  mit  Friedrich,  seine  Geistlichkeit  aber  um
so  nachdrücklicher  mit  Alexander  hielt:  —  kurz,  durch  das  ganze  Land
ging  ein  tiefer  Riß,  und  bei  der  Leidenschaftlichkeit,  mit  welcher  dieser
Streit  auch  durch  äußere  Waffengewalt  ausgefochten  wurde,  konnten
seine  Folgen  für  den  Zustand  desselben  nur  die  allerunseligsten  sein.
Dies  alles  so  wie  der  wohl  schon  damals  in  ihm  aufsteigende  und
ernstlicher  behandelte  Plan  zu  einer  größeren,  ihn  auf  längere  Zeit
aus  dem  Reiche  entfernenden  Unternehmung,  einer  Reise  nach  dem
heiligen  Lande,  und  der  dadurch  erregte  Wunsch,  seine  Länder  in
einen  die  Ausführung  dieser  Absicht  ermöglichenden  Friedenszustand
zu  bringen,  bewog  Heinrich,  sich  selbst  mit  allem  Nachdruck  der
baierischen  Angelegenheiten  anzunehmen.  Um  Neujahr  1171  begab
21.  San.  er  sich  nach  Baiern.  Am  21.  Januar  hielt  er  zu  Mosburg  einen
feierlichen  Landtag,  auf  dem  sich  eine  große  Anzahl  baierischer
Großen  um  ihn  versammelten  und  wo  er  das  Kloster  Admunt  mit
einem  Gute  zu  Haueheim  beschenkte.)  Eine  Kunde  über  des  Herzogs
  weitere  Thätigkeit  während  dieses  Aufenthaltes  in  Baiern  ist
Sl.  Mcg.  uns  aber  nicht  erhalten.  Am  31.  März  sinden  wir  ihn  zu  Theuringen,
  wo  er  für  das  Kloster  Salem  eine  Urkunde  über  die  Schenkung
  des  Gutes  Sweindorf  ausstellen  ließ..)  Doch  ist  des  Herzogs
Streben  vermuthlich  namentlich  auf  Befriedung  des  Landes,  Sicherung
  und  Neubegründung  des  Rechtszustandes  gerichter  gewesen.  Im
Sommer  scheint  er  dann  wieder  nach  Sachsen  zurückgekehrt  zu  sein.
Wie  es  in  jener  Zeit  den  Großen  so  oft  als  eine  Pflicht  nicht
bloß  des  Glaubens  und  der  christlichen  Demuth,  sondern  bis  zu
einem  gewissen  Grade  auch  der  ritterlichen  Ehre  erschien,  mit  glänzendem
  Gefolge  einen  —  meistens  freilich  friedlichen  —  Kreuzzug
im  Kleinen,  eine  Pilgerreise  in  das  heilige  Land  auszuführen,  wie  ja
noch  wenige  Jahre  zuvor  sein  Oheim  Welf  VI.  eine  solche  unternommen
  hatte,  so  beschäftigte  auch  Heinrich  den  Löwen  in  dieser  Zeit  der
Gedanke  an  eine  solche  Wallfahrt  ernstlicher.  In  die  diesem  Plane
eigentlich  zu  Grunde  liegenden  Motive  ist  uns  ein  Einblick  selbstverständlich
  verschlossen:  möglich  ist  es,  daß  die  wilden  Erschütterungen
  der  letzten  so  kampf=  und  wechselvollen  Jahre  ihn  zu  diesem
frommen  Wunsche  getrieben;  möglich,  daß  die  damals  die  ganze
Welt  erfüllende,  gerade  ihn  als  Schwiegersohn  des  Königs  von

1)  Reg.  126.  2)  Reg.  127.