Heinrichs  friedliche  Thätigkeit  in  Sachsen,  u.  s.  w.  261

England  so  nahe  berührende,  in  den  letzten  Tagen  des  Jahres  1170  uunt.
erfolgte  Ermordung  des  Thomas  von  Canterbury  diese  Regung  noch
verstärkt  hat;  möglich  aber  auch,  daß  dem  ganzen  Projekte  mehr  eine
unklare  Sucht  nach  neuen  Abenteuern  und  Kämpfen  und  neuem
Ruhme  als  ein  innerer  frommer  Trieb  zu  Grunde  lag:  —  genug,
Heinrich  der  Läwe  beschloß,  den  nun  glücklich  wiedergewonnenen  Frieden
  zu  einer  Pilgerfahrt  nach  dem  heiligen  Grabe  zu  benutzen.
Die  baierischen  Angelegenheiten  hatte  er  während  seiner  letzten  Anwesenheit
  wohl  so  weit  geordnet,  daß  sie  seiner  längeren  Abwesenheit
kein  Hinderniß  mehr  in  den  Weg  legen  konnten.  Auch  Sachsen
konnte  er  damals  ohne  Besorgniß  verlassen.  Mit  seinen  inneren
Feinden  war  durch  des  Kaisers  rastlose  Bemühungen  endlich  ein
wirklicher  Friede  hergestellt;  die  Slaven  waren  durch  die  siegreichen
  Unternehmungen  der  letzten  Jahre  eingeschüchtert,  dann
durch  das  milde  und  versöhnliche  Auftreten,  zu  welchem  der
Herzog  sich  angesichts  des  in  Sachsen  selbst  gegen  ihn  losbrechenden
  Sturmes  bequemt  hatte,  noch  mehr  und  dauernder  gewonnen.
Die  einzige  Gefahr,  die  ihm  dort  noch  drohte,  lag  in  der  noch  vorhandenen
  Misstimmung  mit  dem  Dänenkönig.  Aber  auch  diese  war
ja  leicht  zu  heben:  es  war  ein  allerdings  unehrliches,  aber  überaus
wirksames  Mittel  gewesen,  dessen  sich  Heinrich  zur  Brechung  des  Eigenwillens
  seines  bisher  so  fügsamen  Bundesgenossen  bedient  hatte,  als
er  die  Slaven  mit  ihren  Seeräuberflotten  gegen  die  dänischen  Inseln
  losließ.  Der  gegen  Oldenburg  und  das  Land  der  Circipanen
unternommene  Zug  hatte  dem  König  Waldemar  weder  Genugthuung
  noch  Ersatz  für  den  gewaltigen  Schaden,  den  die  Slaven
an  den  Küsten  seines  Reichs  anrichteten,  zu  gewähren  vermocht;  er
sah  sich  bald  doch  zur  Nachgiebigkeit  genöthigt  und  entschloß  sich,
den  Forderungen  seines  übermächtigen  Bundesgenossen  zu  willfahren.
Er  bat  Heinrich  um  Gewährung  einer  Zusammenkunft:  jetzt,  nach
der  Rückkehr  des  Herzogs  aus  Baiern,  fand  sie  am  Johannistage  1171  21.  cun
an  der  Eider  statt.  Waldemar  mußte  sich  dazu  verstehen,  dem  Herzog
  die  Hälfte  der  den  Rugianern  abgenommenen  Geiseln  so  wie
des  von  ihnen  gezahlten  Tributs  auszuliefern.  Außerdem  aber
mußte  er  noch  das  hochmüthige,  ihn  tief  kränkende  Benehmen
Heinrichs  mit  in  den  Kauf  nehmen:  derselbe  kam  ihm  nämlich
nur  bis  zur  Mitte  der  die  beiden  Ufer  der  Eiver  verbindenden.
und  zum  Orte  der  Zusammenkunft  bestimmten  Brücke  entgegen  und
nöthigte  den  König  so,  sich  in  gewissem  Sinne  vor  ihm  zu  demüthi-