Heinrichs  Reise  nach  dem  heiligen  Lande.  265

Achtes  Kapitel.

Heinrichs  Reise  nach  dem  heiligen  Lande.

Der  wirkliche  Antritt  dieser  Reise,  die  ihn  wenigstens  ein  Jahr
von  Deutschland  fern  halten  mußte,  wurde  für  den  Anfang  des
nächsten  Jahrs,  1172,  festgesetzt.  Den  Winter  hatte  Heinrich  daher
mit  den  Vorbereitungen  zu  thun,  namentlich  aber  mußte  er  alle
Anordnungen  treffen,  um  ein  geregelte  und  seine  Interessen  wahrnehmende
  Verwaltung  seiner  beiden  Herzogthümer  für  die  Zeit  seiner
  Abwesenheit  zu  sichern.  Zur  Verwaltung  des  sächsischen  Landes
  berief  Heinrich  seine  Gemahlin  Mathilde,  in  welcher  alle  die
Eigenschaften  vereinigt  waren,  welche  sie  eines  solchen  Vertrauens
würdig  machten.  Von  allen  Seiten  wird  ihr  edler  und  starker,
dabei  demüthig  frommer  Sinn  gerühmt,  dessen  größte  Freude  es
war,  Arme  und  Kranke  zu  unterstützen,  Kirchen  und  Geistliche  durch
reiche  Geschenke  zu  ehren  und  zu  fördern.)  Dabei  muß  die  Herzogin
  aber  in  einem  höheren  Grade  als  es  derzeit  üblich  war,  für  die
geistigen  Interessen  empfänglich  gewesen  sein.  An  den  bisher  nur
von  dem  Lärme  der  Waffenübungen  widerhallenden  sächsischen  Hof
hatte  Mathilde  aus  ihrer  englisch-französischen  Heimath  jenes  lebhaftere
  Empfinden  für  Kunst  und  Poesie  mitgebracht,  dessen  Sitz
damals  ja  vor  allen  die  lieder=  und  sangesreiche  Normandie  war.
Die  künstlicheren  Weisen  jener  französischen  Troubadours  fingen
nun  auch  an  dem  welfischen  Hofe  zu  Lüneburg  und  Braunschweig
an  zu  erklingen  und  fanden  bei  der  kunstsinnigen  Herzogin  Theilnahme
  und  Förderung.  Auch  der  Inhalt  vieler  dieser  Gesänge  entstammt
  ja  ihrem  heimischen  Boden:  Heinrich  von  Oberge,  ein
Dienstmann  ihres  Gemahls,  besang  die  Liebe  Tristans  und  Isoldens:)
und  das  Rolandslied  des  Pfaffen  Conrad  wurde  allem  Anscheine
nach  dem  gewaltigen  Sachsenherzoge  vom  Verfasser  gewidmet.)

1)  Arnold.  Lub.  I,  2:  Quae

(so.  ducissa)  lincam  gencrositatis  sune,
duem  ex  longa  regalium  parentum
Prosapia  traxit,  piis  operibus  extulit
et  caritatis  insletens  eflectibus  religionis
  decoro  venustavit.  Erat  enim
summee  bietatis,  oira  alflictos  mirae
Compassionis,  eleemosynarum  larga  erogatrix
  et  orationibus  dedita,  missarum,
  quos  plurimas  decantari  lecit,

devotissima  Wequentatri
2)  B  Werkernaseel.  Gesch.  4.
deutschen  Lit.  p.  9  19
deke,  Grdrisz  I.  8.  35.  Die  grucen
#n  mente  des  ½  sind  gebrucktin  in
funne  Fundgruben  I,  p.
Bols  .d.  Hagens  en  ne  w  l
p.  5

3)  vgl.  Wackernagel,  8.  57:

I171.6r