Heinrichs  Reise  nach  dem  heiligen  Lande.  269

Reise  zu  Wasser  noch  weiter  fortgesetzt,  bis  nach  —  dem  jetzt  nicht
mehr  vorhandenen  —  Brandiz  oder  Branitschewo,  unterhalb  der
Einmündung  der  Morawa  schon  in  griechischem  Gebiet  gelegen.
Dort  aber  mußten  die  Reisenden  wegen  des  niedrigen  Wasserstandes
  der  sich  in  zwei  Arme  theilenden  Donau  die  Schiffe  verlassen.)
und  den  Landweg  einschlagen.  Die  großen  Vorräthe  an  Mehl,
Getreide,  Wein,  Fleisch  und  Fischen,  mit  denen  sich  der  Zug  zu
Wien  so  reichlich  ausgerüstet  hatte,  mußten  nun  auf  Lastwagen  verpackt
  werden,  während  der  Herzog  und  seine  Begleiter  den  Weg  zu
Pferde  fortsetzten.  Bald  aber  machte  die  von  dichten  Waldungen
und  weiten  Sumpfflächen  bedeckte  Gegend  den  schwer  beladenen
Wagen  das  weitere  Vordringen  unmöglich:  man  mußte  daher  nur
das  Allernöthigste  an  Proviant  auf  Maulthiere  verladen  und  setzte,
einen  guten  Theil  der  Vorräthe  unbenutzt  zurücklassend,  den  Weg
so  weniger  behindert  fort  durch  den  sogenannten  Bulgarenwald,
einen  Theil  des  heutigen  Serbiens.)

Die  Serben  wurden  zwar  von  dem  griechischen  Kaiser  als  seine
Unterthanen  in  Anspruch  genommen,  in  Wahrheit  aber  lebten  sie
so  gut  wie  frei  und  kümmerten  sich  nicht  weiter  um  die  Anordnungen
  ihres  Oberherren.  Dies  sollte  auch  Herzog  Heinrich  bald  zu
erfahren  haben.  Als  er  nämlich  mit  seinem  Zuge  in  die  Nähe  der
serbischen  Stadt  Ravenell,  des  heutigen  Tjuprija  an  der  Mündung  der
Rowana  in  die  Morawa#,  kam,  forderte  der  den  Herzog  geleitende
Gesandte  des  griechischen  Kaisers  Emanuel  die  Einwohner  auf,  dem
Sachsenherzog  mit  königlichen  Ehren  eine  freundliche  Aufnahme  in
ihrer  Stadt  zu  bereiten.  Er  wurde  aber  einfach  abschlägig  beschieden
und  unter  Hohn  und  Spott  weggejagt.  Heinrich  dem  Löwen  und
den  Seinen  blieb  daher  nichts  übrig  als  sich  auf  einen  feindlichen
Ueberfall  gefaßt  zu  machen.  Jenseits  der  Stadt  schlugen  sie  an  einem
Bache  ihr  Lager  auf,  rechts  durch  steil  abfallende  Berge,  links  durch
einen  Wald  gedeckt.  Alle  Vorbereitungen  zur  Abwehr  des  erwarteten
  nächtlichen  Ueberfalls  wurden  mit  Sorgfalt  getroffen:  zahlreiche

1)  ibid.  Restaurata  ergo  nare  dem  „Bulgarenwald“  ist  die  ganze
pervenerunt  Brandiz,  urbem  regis  Strecke  von  Nisch  bis  Belgrad  zu  ver-Graecorum,
  ubi  deficientibus  aquis  na-  stehen.  Vgl.  Laurent  zu  dieser  Stelle.
ves  in  sicco  steterunt.  3)  ibld.  Procedentes  ergo  appro-2)

  ibi  4.  —  intraverunt  nemus  piabant  urbi.  quae  Ravenell  dicitur,
illud  mazximum  et  notissimum,  quod  gquae  in  medio  nemoris  sita  est,  cuius
Bulgerewald  dicitur,  ubi  multum  labo-  habitatores  Servi  dicuntur,  filii  Belial,
raverunt  tam  ipsi  quam  equi  eorum  sine  jugo  Dei  ete.
in  profunditate  palustri  u.  s.  w.  Unter

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