Heinrichs  Reise  nach  dem  heiligen  Lande.  271
sandten  geleitet  setzten  sie  dann  ihre  Reise  über  Adrianopel  und
Philippopel  weiter  fort  nach  Constantinopel,  wo  sie  am  Charfreitag,
dem  4.  April  1172,  eintrafen.  Den  Tag  vor  dem  Osterfest  verbrachten
  die  Wallfahrer  in  andächtiger  Sammlung  und  Stille  in
ihrer  Herberge.  Am  Morgen  des  Ostersonntags  erschien  dann  Herzog
  Heinrich  der  Löwe  mit  seinem  Gefolge  am  Hofe  des  Kaisers,
dem  er  schon  durch  Voraussendung  kostbarer  Geschenke  an  Rossen,
Waffen  und  Gewändern  die  schuldige  Ehre  erwiesen  hatte.)  Am
Hofe  wurde  Heinrich  mit  den  überschwänglichsten  Ehrenbezeugungen
empfangen,  bei  denen  es  sich  Kaiser  Emanuel  angelegen  sein  ließ,
den  ganzen  orientalischen  Prunk  seines  Pallastes  zu  entfalten.  In
einem  großen  Park  hatte  er  eine  Menge  prachtvoll  ausgestatteter  Zelte
aufschlagen  lassen,  je  nach  dem  Range  des  Inhabers  eines  köstlicher
als  das  andere;  alle  aber  übertraf  sein  eigenes,  das  mit  Purpur,
Gold  und  Juwelen  förmlich  überdeckt  war.  Der  Weg  zu  diesem
herrlichen  Zeltlager  war  mit  Purpur  belegt,  von  oben  mit  köstlichen
seidenen  Decken  verhängt  und  mit  goldenen  Lampen  und  Kronleuchtern
  glänzend  erhellt.  Unter  Vortritt  der  Geistlichkeit  begab  sich  der
Herzog  mit  seinem  Gefolge,  von  dem  Kaiser  selbst  geleitet,  in  das
kostbare  Hauptzelt,  von  dort  in  die  Kirche,  wo  er  auf  einem  neben
dem  des  Kaisers  errichteten  Throne  Platz  nahm  und  die  Messe  mit
anhörte.  Während  der  Festlichkeiten,  durch  welche  die  Anwesenheit
des  Sachsenherzogs  am  Hofe  verherrlicht  wurde,  fand  sich  jedoch
auch  Zeit  zu  ernsteren  Gesprächen:  namentlich  war  es  der  Abt
Heinrich  von  Braunschweig,  der  bei  der  Verhandlung  einiger  vom
Bischof  von  Worms  angeregter  theologischer  Streitfragen  durch
seine  Belesenheit  und  tiefe  Kenntniß  der  heiligen  Schriften  so  wie
durch  seine  klare  und  überzeugende  Beredtsamkeit  die  Bewunderung
des  Kaisers  sowohl  wie  der  gesammten  griechischen  Geistlichkeit
erregte.)

Für  die  Fortsetzung  der  Reise  nach  dem  heiligen  Lande  hatte

der  Kaiser  für  Herzog  Heinrich

1)  ibi  d.  Inde  deductus  est  Andernoholim,
  deinde  Vinopolim  et  ita  profecti
  in  paraskere  (7  uerdAn  ##c0.
#xeuft,  Charfreitag)  venerunt  prope  Constantinopolim.
  Ibique  celebrantes  dominicam
  passionem  et  sabbatum  sanctum,
  mane  in  die  sanctac  resurrectionis,
peractis  solenniter  mysteriis  et  prandio
facto,  ascenderunt  in  curiam  regis.

ein  wohlgefügtes  und  mit  allem

Pracmiserat  autem  dux  munera  multa
ot  optima  secundum  morem  terrde
nostrue,  equos  pulcherrimos  sellatos
et  vestitos,  loricus,  gladios,  vestes  de
scharlatto  ct  vestes  linen  tenuissimes.

Vgl.  Arnold.  Lub.  J,  5,  der

1172.

1.  Apr.

namentlich  bei  der  theolegischen  Unterterhaltung

  mit  Vorliche  verweilt.