274  2.  Buch.  8.  Kapitel.

währung  sicheren  Geleites  durch  sein  Land  hatte  Malech  ihm  zwar
sogleich  zwanzig  seiner  Vassallen  als  Führer  geschickt;  doch  trante
man  dem  als  hinterlistig  und  treulos  Lerrufenen  Manne  nur
Böses  zu,  und  von  allen  Seiten  nachdrücklich  gewarnt,  gab  Heinrich
schließlich  seinen  Plan  auf.  In  Simconshafen  bestieg  er  mit  seinem
ganzen  Gefolge  und  Troß  die  ihm  pon  Boemund  von  Antiochien
gelieferten  Schiffe  und  segelte  mit  günstigem  Winde  nach  der  cilicischen
  Küste,  die  er  an  der  Mündung  des  Cydnus,  bei  Tarsus,  betrat.
Dort  empfingen  ihn  fünfhundert  Bewaffnete,  welche  der  Sultan
von  Iconium,  Kilidsch  Arslan  II.,  geschickt  hatte,  um  ihn  sicher
durch  das  noch  zu  durchwandernde  Gebiet  des  feindlichen  Malech
zu  geleiten.  Ihr  Weg  führte  die  Reisenden  durch  eine  öde,  unfruchtbare,
  wasserarme  Gegend,  die  sogenannte  „rumenische  Wüste“,
in  der  sie  viel  Strapazen  und  Entbehrungen  aller  Art  zu  bestehen
hatten.  Alles  zum  Leben  Näöthige,  selbst  das  Wasser  für  sich  und
ihre  Thiere  mußten  sie  auf  Lastpferden  mit  sich  führen.  Doch  gelangten
  sie  nach  dreitägiger  anstrengender  Wanderung  ohne  Schaden
zu  nehmen  nach  Heraklia,  jetzt  Erakli.  In  Aksar,  welches  die
nächste  von  ihnen  berührte  Stadt  war,  wurde  Heinrich  von  dem
Sultan  von  Ironinm,  Kilidsch  Arslan,  empfangen  und  beglückwünscht,
  daß  er  die  gefährliche  Reise  durch  des  Armeniers  Malech
Land  so  glücklich  bestanden  hätte.  Seine  fürstliche  Gastfreundschaft
kröntr  der  Sultan  dann  noch  durch  die  prachtvollen  Geschenke,  welche
er  dem  Herzog  und  seinen  Mannen  beim  Abschied  überreichte.  Aus
achthundert  schönen  Pferden  ließ  er  jeden  der  Ritter  des  Herzogs
sich  eins  answählen;  Heinrich  felbst  erhielt  dreißig  der  edelsten
Rosse  mit  silbernen  Zäumen  und  kunstreichen,  aus  dem  feinsten  Tuch
und  Elfenbein  gefertigten  Sätteln,  sechs  Zelte  aus  Filz,  wie  sie  im
Lande  üblich  waren,  sechs  Kamele  nebst  den  dazu  gehörigen  Sclaven
als  Treibern;  auch  zwei  Leoparden  schenkte  er  dem  Herzog,  sowie
noch  Pferde  und  die  zu  ihrer  Bedienung  nöthigen  Sclaven;  endlich
fügte  er  noch  einen  kostbaren  Mantel  und  ein  aus  der  feinsten  Seide
gefertigtes  Gewand  hinzu.)

So  zog  Herzog  Heinrich,  hochgeehrt  von  dem  Sultan,  den  er
seinerseits  vergeblich  zur  Annahme  des  Christenthums  ermahnte,  mit
den  Seinen  weiter,  bis  Inscia  von  seinem  Gastfreunde  geleitet,  und
dann  nach  Iconium.  Weiter  führte  ihn  dann  sein  Weg  in  die

1)  Bgl.  den  ausführlichen  Bericht  bei  Arnold.  Lub.  I,  9.