1173.

276  2.  Buch.  9.  Kapitel.

Neuntes  Kaopitel.

Von  der  Rückkehr  aus  dem  heiligen  Lande  bis  zum  Bruch
mit  dem  Kaiser.

In  den  ersten  Tagen  des  Jahres  1173,  nach  gerade  einjähriger
Abwesenheit,  kehrte  Heinrich  der  Löwe  nach  Braunschweig  selbst  zurück!),
  von  seiner  Gemahlin  und  all  den  Seinen  mit  Freuden  aufgenommen.
  Die  Herzogin  war  in  der  Zeit  seiner  Abwesenheit
einer  Tochter  genesen,  welche  nach  der  Gemahlin  seines  kaiserlichen
Großoaters  Lothar  den  Namen  Richenza  erhielt.)  Alles  fand
Heinrich  daheim  in  der  besten  Ordnung:  kriegerische  Erschütterungen
waren  seinen  Ländern  erspart  geblieben,  der  Wohlstand  hatte  sich
gehoben  und  die  Entwickelung,  deren  Anfänge  Heinrich  durch  jahrelange
  Kämpfe  gesichert  hatte,  war  rüstig  vorwärts  gegangen.  So
war  er  denn  diesmal  auch  nicht,  wie  in  früheren  Jahren  meistens
bei  seiner  Rückkehr  nach  längerer  Abwesenheit,  genöthigt  zu  den
Waffen  zu  greifen  und  mit  Gewalt  die  gelösten  Bande  der  Ordnung
  wieder  fester  anzuziehen.  Seine  Thätigkeit  konnte  eine  fricdliche,
  auf  das  innnere  Wohl  seiner  weiten  Lande  gerichtete  sein.
Jetzt  nach  seiner  Rückkehr  aus  dem  heiligen  Lande  beginnt  die  Zeit,
wo  Heinrich  ganz  besonders  seine  Begabung  für  die  Künste  des
Friedens  zeigen  konnte.  Daß  sie  ihm  nicht  fehlte,  hatte  schon  seine
schöpferische,  auf  Kirchen=  und  Städtegründungen  gerichtete  Thätigkeit
  während  der  fast  ununterbrochenen  Kämpfe  der  früheren  Jahre
bewiesen.  Jetzt  aber,  schien  es,  würde  er  sich  ganz  diesem  schönen
Wirken  widmen  können.  Er  begann  dasselbe  gleich  in  großem  Maßstabe,
  aber  auch  gleich  in  seinem  Anfange  wurde  es  durch  eine  neue
gewaltsame  Erschütterung  unterbrochen,  —  eine  Erschütterung,  die
den  mächtigen  Herzog  selbst  stürzte.

Die  friedliche  Thätigkeit  Heinrichs  richtete  sich,  wie  es  ja  nach
den  Eindrücken,  welche  er  von  seiner  Wallfahrt  nach  dem  heiligen

1)  Arnold.  Lub.  I,  12:  Revoluto  2)  Arnold.  Lub.  I,  2:  Manebat
autem  anno  reversus  est  Brunswig,  ot  autem  in  Brunswig  omni  temporc,  duo
leetati  sunt  omnes  amici  eius  de  ad-  dux  peregrinatus  est,  quia  tund  braegventu
  ipsius.  Das  „ipso  anno“  nans  erat,  ediditque  flliam  nomine
der  Ann.  Stadens.  p.  347  geht  auf  Bikezen.
die  Rückkehr  nach  Baiern.