Von  der  Rückkehr  aus  dem  heiligen  Lande  2c.  285

einem  seiner  Verwandten  vollzogenen  Gütertausch  jetzt,  nach  dreizehn
Jahren  auf  einmal  für  ungültig  erklärt,  weil  man  damals  nicht
auch  seine  Zustimmung  eingeholt  hätte.  Er  forderte  die  Mönche
zur  Herausgabe  ihres  dreizehnjährigen  Besitzes  auf:  als  diese  verweigert
  wurde,  griff  er  zu  den  Waffen  und  fing  nun  an,  die  Besitzungen
  der  Reichersberger  Mönche  mit  Feuer  und  Schwert  zu
verwüsten,  vertrieb  aus  den  streitigen  Gütern  die  Colonen  des  Klosters
  und  setzte  seine  Leute  an  ihre  Stelle.  Vergeblich  hatten  die
Möunche  sich  schon  früher  einmal  um  Schutz  bittend  an  Herzog
Heinrich  gewandt:  damals  nahm  ihn  der  Kampf  gegen  die  verbündeten
  sächsischen  Fürsten  ganz  in  Anspruch  und  er  mußte  die  Bittenden
  auf  spätere  Zeiten  vertrösten.  Heinrich  von  Stein  aber
hatte  seine  Vergewaltigungen  fortgesetzt.  Von  Neuem  gingen  daher
die  Mönche  den  Herzog  jetzt  mit  dringenden  Bitten  um  Schutz  und
Hülfe  an.  Aber  gerade  in  diesem  Augenblicke  erhielt  derselbe  Nachrichten,
  welche  ihn  nöthigten,  so  schnell  wie  irgend  möglich  nach
Sachsen  zurückzukehren.  Doch  beauftragte  er  noch  vor  seiner  Abreise
  einige  baierische  Edle  mit  der  Untersuchung  und  Beilegung
der  Sache:  die  Bemühungen  derselben  blieben  aber  vergeblich  und
nach  wie  vor  war  die  Reichersberger  Kirche  der  frechen  Willkür
  Heinrichs  von  Stein  preisgegeben.)

Diese  plötzliche  Rückkehr  Heinrichs  des  Löwen  von  Baiern
nach  Sachsen  muß  in  die  letzten  Monate  des  Jahres  1174  fallen:
wir  finden  ihn  urkundlich  in  diesem  Jahre  noch  in  Artlenburg.)
Welches  aber  die  eigentliche  Veranlassung  derselben  gewesen  ist,
vermögen  wir  nicht  zu  durchschauen,  wie  uns  überhaupt  in  diesen
Jahren,  in  welche  gerade  der  entscheidende  Umschwung  in  Heinrichs
Gesinnung  und  Stellung  fällt,  unsere  Quellen  auffällig  im  Stich
lassen.  )  Auch  hier  werden  wir  daher  gensthigt,  die  mangelnde
Continuität  der  historischen  Ueberlieferung  durch  die  ihr  gegenüber
so  werthlose  und  immer  unsichere  Vermuthung  auszufüllen.  Der
einzige  Anhaltspunkt  aber,  der  sich  für  dieselbe  darbietet,  ist  das,
was  wir  nach  des  Herzogs  Rückkehr  im  Jahr  1175  in  Sachsen  geschehen
  sehen.  Dies  aber  ist  wieder  eine  wilde,  verwüstende  Fehde
und  zwar  geführt  mit  einem  Fürsten,  der  schon  dem  großen  Bunde

1)  lg.  Coder  traditionum  2)  Reg.  151.
Reicherspergensium  in  Mon.  3)  So  weiß  z.  B.  Arnold  Lub.
Boica  III,  p.  456  fl.  —  wo  es  von  aus  dem  ganzen  Zeitraum  von  1173—

Heinrich  heißt:  qui  eo  tempore  sub  1176  gar  nichts  zu  berichten.
festinatione  parans  redire  Saloniam.

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