un.

286  2.  Buch.  9.  Kapitel.

pon  1167  angehört  hatte.  Danach  gewinnt  es  fast  den  Anschein,
als  hätte  die  alte  Feindschaft  gegen  den  gewaltigen  Sachsenherzog
unmittelbar  nach  des  Kaisers  Aufbruch  nach  Italien  von  Neuem  in
hellen  Flammen  emporgelodert,  als  hätte  wenigstens  ein  Theil  der
früher  gegen  denselben  verbündeten  Fürsten  nur  auf  die  erste  Gelehenheit
  zur  Erneuerung  des  leidenschaftlichen  Kampfes  gewartet,
den  Friedensbemühungen  und  Ermahnungen  des  Kaisers  nur  gezwungen
  und  scheinbar  Folge  geleistet.  Und  der  sich  so  schnell  wieder
  erneuernde  Kampf  in  Sachsen,  der  allmählich  seine  ganze,  für
so  sicher  gehaltene  Stellung  zu  untergraben  drohte,  sollte  die  Veranlassung
  zu  des  allmächtigen  Herzogs  Sturz  werden:  denn  er
brachte  ihn  Friedrich  gegenüber  in  eine  Stellung,  welche  den  ihm
bisher  so  wohlgeneigten  Kaiser  widerstrebend,  aber  sicher  ganz  auf
die  Seite  seiner  entschiedensten  Gegner  drängte.

Die  Veranlassung  zu  diesem  neuen  Streit,  der  Heinrich  nun
auch  dem  Sohne  seines  langjährigen  Gegners,  Albrechts  des  Bären,
dem  Grafen  Bernhard  feindlich  gegenüberstellte,  scheint  in  einer
Zwistigkeit  zu  suchen  zu  sein,  welche  die  Söhne  des  Markgrafen  im
Jahre  1173  mit  dem  Kaiser  selbst  auf  kurze  Zeit  in  ein  sehr  gespanntes
  Verhältniß  gebracht  hatte.  Ein  Streit  über  die  Erbschaft
des  beiden  Theilen  gleich  nahe  verwandten  Grafen  von  Plötzke  hatte
1173  die  Söhne  des  Markgrafen  fast  zum  Kampfe  gegen  den
Kaiser  getrieben:  sie  hatten  sich  ernstlich  seine  Ungnade  zugezogen,
und  er  drohte  schon,  sie  mit  Waffengewalt  zu  züchtigen.  Der  Neffe
des  Kaisers,  der  junge  Landgraf  Ludwig  von  Thüringen,  war  dadurch
  wirklich  mit  ihnen  in  einen  Kampf  gerathen'),  der  bald
bedenkliche  Dimensionen  annahm.  1174  kam  es  zur  Zerstörung
Weimars;  in  einem  Gefechte  bei  Wirbene  wurde  der  Landgraf  selbst
verwundet.')  Diese  Fehde  scheint  es  denn  auch  gewesen  zu  sein,
welche  den  Herzog  Heinrich  jetzt  so  plötzlich  nach  Sachsen  zurückrief.
  Entschieden  ergriff  er  sofort  für  den  bedrängten  Landgrafen
von  Thüringen  Partei  und  suchte  ihm  durch  einen  verwüstenden
Einfall  in  die  Grafschaft  Bernhards  Luft  zu  machen.  An  der  Spitze
eines  starken  Heeres  überschritt  er  die  Bode,  zerstörte  das  an  ihr
liegende  Gröningen  und  verheerte  weit  und  breit  die  Gegend  mit

1)  Ann.  Pegav.  p.  261:  Lothwi-  giam  vastant,  —
gus  iunior  lantgravio  fliios  marchionie  2)  Ann.  Pegav.  p.  261:  Wimar
Adelberti  ob  gratiam  imperatoris  avun-  destruitur  a  lantgravio.  Idem  in  obeuli
  sui  infestet;  illi  contra  Thurin-  sidione  Wirbene  telo  sauciatur.