Erstes  Kapitel.

Der  Bruch  mit  dem  Kaiser.

Kaiser  Friedrich  J.  hatte  seinen  fünften  Zug  nach  Italien  angetreten.
  Im  Herbst  des  Jahres  1174  war  er  von  Deutschland
aufgebrochen,  nachdem  er  die  Angelegenheiten  des  Reiches  gemeinsam
mit  den  Fürsten  geordnet  hatte.  Auf  dem  zu  diesem  Zwecke  im
Mai  1174  zu  Regensburg  gehaltenen  Reichstage  war  auch  Heinrich
der  Löwe  zugegen  gewesen:  es  war  dies  das  letzte  Mal,  daß  die
beiden  gewaltigen  Männer  sich  in  Frieden  und  Freundschaft  begegneten,
  und  wenn  sich  auch  nicht  mit  Sicherheit  nachweisen  läßt,  daß
schon  damals  der  erste  Funke  gegenseitigen  Mistrauens  und  einer
schnell  wachsenden  Verstimmung  in  ihrem  Innern  geglimmt  haben
mag,  so  sollte  er  doch  nur  zu  bald  zu  ihrem  wie  ihres  Vaterlands
Verderben  zu  einer  helllodernden  Flamme  aufflackern.

Vom  Mont  Cenis  herniedersteigend  gab  der  Kaiser  am  28.  September
  das  ihm  feindliche  Susa  den  Flammen  preis  und  zog  dann
gegen  Ende  October  vor  das  feste  Alessandria.  In  dieser  Stadt
hatten  sich  das  vom  Kaiser  bekämpfte  Papstthum  und  die  demselben
verbündete,  kühn  aufstrebende  Freiheitsliebe  der  lombardischen  Städte
gleichsam  verkörpert  und  zu  einem  letzten  Entscheidungskampfe  concentriert.
  Und  wirklich  sollte  an  den  festen  Mauern  dieser  in  wenig
Jahren  zu  hoher  Blüthe  erstandenen  Stadt  die  Kraft  des  gewaltigen
  Hohenstaufen  in  vergeblichem  Ringen  scheitern.  Bis  Mitte
April  1175  lag  Friedrich  ohne  Erfolg  vor  Alessandria;  auf  die
Nachricht  aber,  daß  ein  starkes  Heer  der  Lombarden  zum  Entsatze
der  Stadt  heranziehe,  mußte  er  die  Belagerung  am  14.  April  aufheben,
  um  sich  gegen  diesen  neuen  Feind  zu  wenden.  Schon  standen
  die  Heere  einander  in  Schlachtordnung  gegenüber  und  waren

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