292  3.  Buch.  1.  Kapitel.

zum  Kampfe  bereit,  als  die  religiöse  Scheu,  die  hohen  Festtage  durch
so  blutige  Thaten  zu  entweihen,  die  Oberhand  gewann  und  man
einen  Waffenstillstand  einging.  Der  Kaiser  entließ  den  größten
Theil  seines  Heeres  und  begab  sich  nach  Pavia,  wo  bald  darauf  mit
den  Vertretern  der  lombardischen  Städte  und  den  Gesandten  des
Papstes  Friedensunterhandlungen  begannen.  Man  kam  jedoch  zu
keinem  Resultat,  namentlich  weil  Friedrich  I.  auf  der  Schleifung
Alessandrias  beharrte.  Es  wurde  daher  diesen  fruchtlosen  Bemühungen
  ein  Ende  gemacht;  die  Waffen  sollten  zwischen  den  erbitterten
Gegnern  entscheiden.  ·

Friedrich  wandte  sich  von  Neuem  gegen  Alessandria.  Aber  sein
Heer,  welches  durch  den  Abzug  eines  nicht  unbedeutenden  Theils
so  schon  bedenklich  geschwächt  war,  litt  durch  die  strenge  Kälte  des
Winters  und  den  damit  verbundenen  Mangel;  seine  Lage  mitten  in
einem  Lande,  dessen  reiche  Hülfsmittel  seinen  Feinden  immer  neue
Kraft  zuströmen  ließen,  wurde  von  Tag  zu  Tage  bedenklicher;  er
ließ  daher  durch  Boten  die  deutschen  Fürsten  zur  schnellsten  Hülfsleistung
  auffordern.  Alle  erklärten  sich  bereit  und  versprachen  im
Frühjahr  mit  ihren  Truppen  zum  Kaiser  zu  stoßen.

Um  so  mehr  mußte  diesen  die  Nachricht  überraschen,  daß  nur
einer  jede  Hülfsleistung  entschieden  verweigerte,  und  nur  mit  Schmerz
und  banger  Sorge  konnte  es  Friedrich  vernehmen,  daß  dieser  Eine
gerade  derjenige  war,  auf  dessen  Unterstützung  er  mit  der  größten
Bestimmtheit  rechnen  zu  können  geglaubt  hatte,  —  sein  Vetter,
Heinrich,  der  Herzog  von  Sachsen  und  Baiern.  Bei  der  außerordentlichen
  Macht  dieses  Fürsten  mußte  dem  Kaiser  gerade  an  seinem
  Beistande  am  meisten  gelegen  sein:  seine  Tapferkeit  und  Kenntniß
  des  Kriegs  hatte  ihm  schon  mehr  als  einmal  die  wesentlichsten
Dienste  geleistet  und  mehr  als  einmal  hatten  sie  die  Lombarden
schmerzlich  zu  empfinden  gehabt.  So  war  es  erklärlich,  daß  des  Herzogs
  von  Sachsen  Namen  nicht  bloß  in  ganz  Deutschland  mit  Ehrfurcht
und  Bewunderung  —  im  Kreise  seiner  Standesgenossen  jedoch  mit
scheuem  Neide  —  genannt  wurde,  sondern  daß  sein  Ruhm  bis  hin
nach  Italien  reichte  und  die  Lombarden  nur  ungern  einen  solchen
Kämpfer  gegen  sich  ins  Feld  ziehen  sahen.  Es  mußte  daher  Friedrich
  sehr  viel  daran  liegen,  daß  er  den  Löwen  umstimmte  und  zur
persönlichen  Theilnahme  an  dem  neuen  Kampfe  mit  dem  lombardischen
  Städtebunde  vermöchte.  Er  lud  ihn  noch  durch  besondere
Boten  zur  Hülfsleistung  ein  —  vergeblich;  Gesandte  gingen  hin  und