294  3.  Buch.  1.  Kapitel.

lichen  Eigenschaften  dieses  Fürsten  und  trotz  seines  redlichen  Strebens
  für  das  Wohl  des  ihm  anvertrauten  Reichs  zu  einer  so  wenig
glücklichen  gemacht  hat:  über  die  Wirren  daheim  hatte  er  Italien
vernachlässigen  müssen,  so  daß  in  den  letzten  Jahren  seiner  Regierung
  dort  jene  gefährlichen  Feinde  ihr  Haupt  immer  kühner  zu
erheben  begannen,  an  deren  schnell  wachsender  Kraft  sein  Nachfolger
vergeblich  rüttelte,  endlich  nach  einem  glänzenden  Aufschwunge  zum
höchsten  Gipfel  der  Macht  sein  ganzes  Geschlecht  in  fruchtlosem
Ringen  scheiterte.

Friedrich,  welcher  seinen  Adlerblick  sofort  nach  Italien  lenkte,
mußte  daher  vor  allen  Dingen  in  Deutschland  Ruhe  stiften.  Er
that  es,  indem  er  nicht  bloß  das  von  seinem  Vorgänger  in  jähem
Hasse  gegen  die  Welfen  diesen  zugefügte  Unrecht  gut  machte,  sondern
ihnen  in  ihrem  Haupte,  dem  jungen,  tapferen  Herzog  Heinrich,  die
erste  Stelle  neben  dem  Throne  einräumte.  Mit  diesem  vereinigt,
von  seiner  zahlreichen  und  kriegsgeübten  Mannschaft  unterstützt,
machte.  er  seine  ersten  Züge  nach  Italien.  Aber  Herzog  Heinrich
war  weit  davon  entfernt  sich  ganz  und  ausschließlich  dem  Interesse
seines  kaiserlichen  Freundes  zu  weihen  und  darüber  die  Förderung
seiner  eigenen  Macht  zu  vernachlässigen.  Im  Gegentheil  hat  er
dieses  Ziel  keinen  Augenblick  aus  dem  Auge  verloren:  kein  Schauplatz
  aber  konnte  dieser  Thätigkeit  günstiger  sein,  als  der  ferne
Norden.

Während  der  Kaiser  im  Süden  mit  dem  Papste  und  den  lombardischen
  Städten  rang,  concentrierte  Heinrich  seine  ganze  Kraft
auf  den  Kampf  mit  den  Slaven.  Und  durch  die  Eroberungen,
welche  er  hier  machte,  durch  den  überwiegenden  Einfluß,  den  er  im
ganzen  Norden,  namentlich  auf  das  damals  sich  erst  allmählich  aus
tiefer  Ohnmacht  erhebende  Dänemark  ausübte,  gewann  er  auch  im
Innern  Deutschlands  eine  Gewalt,  welche  fast  die  des  Kaisers  übertraf.
Die  ihm  benachbarten  Fürsten,  besonders  aber  die  sächsischen,  mußten
  im  höchsten  Grade  um  ihre  Selbständigkeit  besorgt  sein:  denn
Heinrichs  des  Löwen  von  Tag  zu  Tage  steigende  Gewalt  drohte  sie
ganz  zu  erdrücken.  Die  rücksichtslose  und  gewaltthätige  Art,  mit  der
er  sein  Uebergewicht  geltend  zu  machen  wußte,  war  wenig  dazu
geeignet,  diesen  Widerwillen  und  Haß  zu  mildern.  Der  Kaiser  aber
ließ  den  übermächtigen  Herzog  ruhig  gewähren,  ja,  er  stellte  sich
mehrfach  offen  auf  seine  Seite  und  nahm  gegen  die  Fürsten  Partei.
Dadurch  gewinnt  die  Sache  fast  den  Anschein,  als  hätte  Friedrich  I.