Der  Bruch  mit  dem  Kaiser.  295

die  Uebermacht  des  Welfen  gern  gesehen,  absichtlich  gestützt  und
gefördert.  Denn  da  Italien  ihn  fast  ganz  in  Anspruch  nahm,  dort
recht  eigentlich  der  Schwerpunkt  seiner  ganzen  großartigen  Thätigkeit
  lag,  so  war  er  außer  Stande  sich  mit  fortwährend  gleicher
Hingabe  den  Angelegenheiten  Deutschlands  zu  widmen.  Und  da
es  auch  dort  nicht  an  feindlichen  Elementen  fehlte,  namentlich  viele
der  Fürsten  in  bedenklicher  Weise  nach  Macht  und  Selbständigkeit
strebten,  so  scheint  Friedrich  riesen  die  Uebermacht  des  Welfen  geraden
  als  ein  Gegengewicht  haben  entgegensetzen  zu  wollen.  Denn
auf  jeden  Fall  mußte  es  ihm  lieber  sein,  daß  ein  Reichsfürst  im
Znnern  Deutschlands  ihn  fast  an  Macht  übertraf,  dieser  eine
aber  auf  das  Engste  mit  ihm  verbunden  war  und  dadurch  etwaige
seindliche  Bestrebungen  niederhielt,  als  daß  sie  alle  weniger  mächtig,
aber  um  so  mehr  auf  Vergrößerung  ihres  Ansehens  bedacht  wären.

Aber  diese  Hoffnung,  in  Heinrich  dem  Löwen,  dem  Inhaber
weier  Herzogthümer,  einen  getreuen  Vertreter  und  unerschütterlichen
Verfechter  der  kaiserlichen  Autorität  und  des  kaiserlichen  Interesses
m  haben,  war  nur  so  lange  begründet  als  Heinrichs  und  des  Kaisers
  Interessen  wirklich  zusammengingen.  Sobald  sich  aber  diese
einmal  zu  trennen  angefangen  hatten,  mußte  das  bisherige  Verhältniß
  unmöglich  werden.  Und  sie  trennten  sich,  Anfangs  zwar  ganz
anmerklich,  dann  aber  immer  rascher  und  entschiedener.  Z„

Als  Friedrich  I.  nach  der  Scheidung  einer  ersten  kinderlosen
Ehe  und  nachdem  auch  die  zweite  mit  der  edlen  und  schönen  Beatrix
von  Burgund  längere  Zeit  ohne  Leibeserben  geblieben  war,  im
Jahre  1165  durch  die  Geburt  eines  Sohnes,  des  späteren  Heinrich
  VI.,  erfreut  wurde,  so  erwuchs  hieraus  Heinrich  dem  Löwen
zwar  keine  direkte  Gefährdung,  aber  er  wurde  doch  genöthigt,  eine
große  und  glänzende  Hoffnung,  mit  welcher  er  sich  bisher  geschmeichelt
hatte,  fallen  zu  lassen:  denn  bei  seiner  außerordentlichen  Machtstellung
mochte  er  sich  im  Geiste  schon  als  den  Nachfolger  seines  kaiserlichen
Freundes  auf  dem  Throne  der  römischen  Kaiser  sehen,  und  Friedrich  selbst
hatte  riese  Hoffnung  genährt,  indem  er  ihn  einmal  mit  als  seinen
gzeeignetsten  Nachfolger  bezeichnet  hatte.)  Seitdem  nun  aber  Friedrich
  sich  mehrerer  Söhne  zu  erfreuen  hatte,  nahmen  natürlich  diese

1)  Auctar.  Affligemense  a.  contra  se  insolentius  agere,  misit  per
1160  (Mon.  SS.  VI.  p.  404):  Frideri=  omnes  fines  regni  sui,  ut  venirent  ei
eas  imperator  oum  rideret,  propter  in  auzilium,  et  iuravit,  se  non  rices-Paucitatem
  erercitus  Mediolanenses  surum  a  eivitate,  donec  caperet  erm