296  3.  Buch.  1.  Kapitel.

den  Platz  zunächst  dem  Throne  ein.  Ein  ganz  gleiches  Ereigniß
wurde  bald  danach  für  den  Kaiser  die  Ursache  zu  neuem  Mismuth.
Denn  auch  hier  war  es  die  Geburt  männlicher  Erben,  welche
Friedrichs  Hoffnungen  durchkreuzt  zu  haben  scheint.  Heinrich  dem
Löwen  wurde  von  seiner  zweiten  Gemahlin  ein  Sohn  geboren.
Aber  auch  die  Ehe,  aus  welcher  verselbe  entsprang,  scheint  dem
Kaiser  nicht  ganz  genehm  gewesen  zu  sein:  denn  obgleich  er  selbst
einst  —  wie  wir  gesehen  haben  —  Heinrich  den  Löwen  zu  einer
Verlobung  mit  Mathilde  von  England  vermocht  hatte,  so  schien
ihm  der  wirkliche  Vollzug  der  damals  eingegangenen  Verlöbnisse
doch  keineswegs  in  seinem  Interesse  zu  liegen,  nachdem  er  das,  was
er  durch  die  in  Aussicht  gestellte  verwandtschaftliche  Verbindung  mit
Heinrich  II.  von  England  hatte  erreichen  wollen,  doch  schließlich
nicht  durchzusetzen  vermocht  hatte.  Daher  ist  auch  des  Eheversprechens
zwischen  seinem  damals  einjährigen  Sohne  Heinrich  und  des  Königs
von  England  jüngerer  Tochter  später  niemals  wieder  gedacht  worden;
  Heinrich  der  Löwe  aber  hatte  die  ihm  verlobte  Mathilde  nach
einigen  Jahren  wirklich  heimgeführt.  Durch  diese  verwandtschaftliche
  Verbindung  mit  Heinrich  II.  und  durch  den  von  nun  an  sehr
regen  Verkehr  mit  England  trat  Heinrich  allerdings  in  sehr  nahe
Beziehungen  zu  einer  Partei,  welche  des  Kaisers  Pläne  oft  durchkreuzte.
  Er  war  ja  nun  verschwägert  mit  dem  Friedrich  so  feindlichen
  Wilhelm  von  Sicilien.  Und  England  war  trotz  mannigfacher
Irrungen  und  Streitigkeiten  mit  dem  Papste  verbunden  und  eine  seiner
wesentlichsten  Stützen  geblieben,  des  Kaisers  Bemühungen  aber,  es
auf  seine  Seite  herüberzuziehen,  waren,  obgleich  so  oft  wiederholt,
immer  erfolglos  gewesen.  Auch  stand  Heinrich  der  Löwe  selbst  voch
nicht  so  ganz  unbedingt  für  den  Kaiser  und  gegen  den  Papst,  vielmehr
  neigte  er,  wie  sein  ganzes  Haus,  nicht  unbedeutend  zu  des
letzteren  Fahne,  und  es  ist  daher  nicht  zu  verwundern,  wenn  ihm
des  Kaisers  hartnäckiges  Ringen  gegen  Alexander  III.  allmählich
bedenklich  erschien.  Dazu  kam  dann,  daß  Mathilde  dem  Herzog
mehrere  Söhne  gebar:  dies  mußte  Friedrichs  Misstimmung  noch
steigern.  Denn  sobald  Heinrich  der  Löwe  ohne  männliche  Nachkommen
  starb,  mußte  sein  ganzer  ungeheurer  Ländercomplex  an
Friedrich  fallen  und  insofern  hatte  dieser,  wenn  er  Heinrichs  Macht
Ut  autem  hoc  iuramentum  ratum  ma-  flium  Conradi  predecessoris  sui,  et

neret,  designavit,  si  forte  vita  post  eum  Heinricum  ducem
decederct,  duos  imperatores,  Sazxonie.