Der  Bruch  mit  dem  Kaiser.  297

förderte,  nur  für  sich  selbst  gearbeitet.  Als  aber  durch  die  Geburt
männlicher  Nachkommen  Heinrich  die  Sicherheit  gewann,  seine  große
Macht  durch  viese  bei  seinem  Stamme  erhalten  zu  sehen,  Friedrich
dagegen  nicht  bloß  die  Aussicht  auf  die  so  überaus  glänzende  Erbschaft
verlor,  sondern  einsehen  mußte,  daß  er  selbst  seiner  Nachkommenschaft
  höchst  gefährliche  Nebenbuhler  groß  gezogen  hatte,  da  konnten
Friedrich  nud  Heinrich  der  Löwe  nicht  mehr  in  der  alten  Freundschaft
  gemeinsam  vorwärts  streben,  sondern  der  eine  mußte  seiner
Nachkommen  Sicherheit  durch  des  anderen  Macht  gefährdet  sehen,
daher  sich  selbst  zu  fördern,  den  andern  zu  schwächen  suchen:  ihre
Interessen  gingen  seitdem  auseinander,  standen  sich  bald  feindlich
gegenüber.

Seitdem  auf  diese  Art  Friedrich  und  Heinrich  aus  eng  verbundenen
  Freunden  schon  in  einem  gewissen  Sinne  zu  Nebenbuhlern
geworden  waren,  konnte  es  nicht  an  Veranlassungen  fehlen,  bei  denen
diese  neue  Stellung  zu  Tage  trat.  Der  Kaiser  ließ  jetzt  die  Macht
des  Sachsenherzogs  sich  nicht  mehr  ungehindert  vermehren,  suchte
vielmehr  neuen  Zuwachs  abzuschneiden,  den  ungeheuren  Besitz  des
Welfen  zu  verkleinern.  So  sollte  er  schon  während  Heinrichs  Abwesenheit
  auf  der  Reise  nach  Jerusalem  diese  Absicht  geäußert,
mehrfach  auch  ihre  Ausführung  versucht  haben.  Dazu  kam  der
Streit  über  die  Erbschaft  des  alten  Welf,  welcher  beide  einander
  noch  mehr  entfremdete.  Der  alte  kriegerische  Herzog  Welf  VI.,
dessen  trotzigem  Beharren  und  muthvollem  Kämpfen  Heinrich,  als  er,
ein  unmündiger  Knabe,  nach  dem  plötzlichen  Tode  seines  Baters
in  Gefahr  war,  sein  ganzes  Erbe  zu  verlieren,  recht  eigentlich  die
Erhaltung  desselben  verdankte,  hatte,  seitdem  durch  die  glänzende
Erhebung  seines  Neffen  der  Grund  zu  weiterem  Kampfe  gegen  die
Hohenstaufen  weggefallen  war,  auch  das  Alter  ihn  zu  beugen  begann,
  namentlich  aber  der  plötzliche  Tod  seines  einzigen  Sohnes
ihn  tief  erschüttert  hatte,  dem  Spiele  der  Waffen  entsagt  und  hielt
zu  Memmingen  in  echt  ritterlicher  Weise  beim  Becher=  und  Liederklang
  üppig  Hof.)  Da  er  ohne  Nachkommen  war,  so  setzte  er
seinen  Neffen,  Heinrich  den  Löwen,  zum  Erben  ein,  knüpfte  daran
jedoch  die  Bedingung,  daß  er  ihm  jährlich  eine  nicht  unbedeutende
Summe  zahlte:  denn  das  frische,  lebenslustige  Treiben  am  Hofe  zu

1)  Ueber  seine  Hofhaltung  n  Mem-  35,  4.  Tannhäusser  (v.  d.  Hagen  Minhsen

  vgl.  Origines  GuelGeae  II,  nesinger  II,  89  b.)
388.  „Der  nn  Well“  Walth.