117.

2.  Febr.

300  3.  Buch.  1.  Kapitel.

diese  Gründe  zwar  nicht  unbedeutend,  aber  doch  immer  nur  nebensächlich
  gewesen  zu  sein,  das  eigentliche,  wirklich  entscheidende  Motiv
anderswo,  weit  tiefer  zu  liegen.  Wo  aber?  —  das  ist  eine  Frage,
auf  die  wir  bei  dem  Zustande  des  uns  Ueberlieferten  keine  Antwort
zu  geben  vermögen.  Möglich,  daß  Heinrich  der  Löwe  wirklich  höher
hinaus  wollte,  daß  er  den  Gedanken  hegte,  sich  von  der  Oberhoheit
des  Kaisers  loszureißen  und  im  Norden  Deutschlands  ein  eigenes,
mächtiges  Welfenreich  zu  gründen..)  Das  ist  möglich  —  aber  auch
nur  eine  Vermuthung,  die  sich  wohl  als  psychologisch  wahrscheinlich,
auch  als  dem  Zusammenhange  der  Dinge  entsprechend  darthun  läßt;
aber  beweisen  oder  nur  mit  einiger  Bestimmtheit  als  das  Wahrscheinlichste
  zeigen  läßt  sie  sich  nicht.  Die  eigentlichen  Motive,
welche  diesem  für  zwei  mächtige  Fürstenhäuser  und  für  ganz  Deutschland
  gleich  wichtigen  Ereignisse  zu  Grunde  liegen,  sind  und  bleiben
daher  dem  Auge  der  Nachwelt  verhüllt.

Genug  —  Heinrich  der  Löwe  verweigerte  dem  Kaiser  seine  Hülfe
gegen  die  Lombarden  gerade  in  einem  so  überaus  wichtigen  Augenblicke,
  wo  Friedrich  ohne  die  nöthigen  Hülfsmittel  einem  Entscheidungskampfe
  mit  einem  überlegenen  Feinde  gegenüberstand.  Heinrich
  hatte  sich  im  Februar  1176  nach  Baiern  begeben,  um  verschiedene
  Angelegenheiten  dieses  Herzogthums  zu  ordnen,  an  ihn
verwiesene  Streitigkeiten  zu  erledigen,  Gerichts=  und  Landtage  zu
halten.  Von  hier,  vom  südlichen  Baiern  aus,  scheint  er  auch  die
Unterhandlungen  mit  dem  Kaiser  geführt  zu  haben.  Am  28.  Februar
  war  er  in  Burghausen,  wo  sich  ihm  der  Propst  von  Reichersperg
  mit  neuen  schweren  Klagen  gegen  Heinrich  von  Stein  nahete.
Den  früheren  Vergleich  misachtend,  hatte  dieser  seit  zwei  Jahren
die  Güter  des  Klosters  mit  Feuer  und  Schwert  verheert  und  nach
Vertreibung  der  Colonen  desselben  den  ihm  angeblich  zukommenden
Theil  mit  seinen  Leuten  besetzt:  der  Propst  erneuerte  die  bereits
vor  zwei  Jahren  angebrachte  Klage  und  bat  um  endliche  Abhülfe.
Der  Herzog  aber,  von  anderen  dringenderen  und  wichtigeren  Geschäften
  in  Anspruch  genommen,  konnte  seinem  Verlangen  nicht  so-1)

  Bgl.  Weitt.  Schleswig-Hol-8
  r*7  I,/  p.  61  u.  68.  Jedenalls
  beochtenwel  ist  der  von  Heinrich
  in  dem  Friedensinstrument  zwischen
Dousschen  und  Gothländern  UB.  d.  St.

"#k  u.  3.  (18.  Oct.  1163)  gebrauchte
Ausdruck:  „leges,  duales  Guttonibus
in  omni  regno  meo  tradidi“  eto.

Auch  solche  Ausdrücke  sind  hier  wohl
t  heachten,  wie  sie  sich  finden  Ielm.

.  69:  in  terra,  quam  patres  mei
—  in  elipe.  et  gladio  obtinuerunt  et
mihi  possidendam  haereditaverunt;
ibid:  Deus  ei  dedit  universem  terram
hanc.  Bgl.  Helm.  73.  87.