302  3.  Buch.  1.  Kapitel.

.1170,  den  zu  bestimmen,  trat  das  im  Laufe  der  Jahre  durch  die  sich  anheftende
  Sage  immer  weiter  ausgeführte  Bild  von  dem  gewaltigen
Hohenstaufen,  wie  er  vergeblich  die  Knie  des  mächtigen  Sachsenherzogs
  umfaßt,  bis  ihn  seine  edle  Gemahlin  an  seine  Würde  und  zur
Rache  mahnt,  während  in  schneidendem  Contrast  dazu  die  Mannen  des
eisenköpfigen  Herzogs  diesen  beglückwünschen  zu  der  ihm  nun  gesicherten
  Kaiserkrone.  Ein  solches  Bild,  das  uns  zwei  so  großartige
Charaktere  gleichsam  in  einem  tragischen  Conflikt  mit  dramatischer
Anschaulichkeit  gegenüberstellt,  ist  allerdings  geeignet,  uns  nicht  bloß
von  der  ungemeinen  historischen  Wichtigkeit  jener  Unterredung  einen
—  wenn  auch  nicht  ganz  richtigen  —  Begriff  zu  geben,  sondern
auch  unser  gemüthliches  und  poetisches  Interesse  anzuregen  und  zu
fesseln,  aber  wirklich  historisch  beglaubigt  ist  kaum  einer  oder  der
andere  Zug;  vielmehr  hält  die  bisher  übliche  Darstellung  dieses  Ereignisses
  vor  der  unbefangenen  Prüfung  einer  strengen  historischen
Kritik  nicht  recht  Stand  und  erweist  sich  als  eine  willkürliche  Compilation
  der  verschiedenartigsten,  weder  ihren  Quellen,  noch  der  Zeit
ihrer  Entstehung  nach  irgendwic  zusammengehörigen  Angaben.)

Die  Unterredung  hatte  für  den  Kaiser  nicht  den  gewünschten
Erfolg:  es  bedurfte  keines  vergeblichen  Fußfalles  mehr,  um  die  Trennung
  Friedrichs  und  des  Welfenherzogs  in  ihrer  ganzen  Schroffheit
zu  bezeichnen.  Friedrich  eilte  über  die  Alpen  zurück  nach  Italien,
wo  er  die  Rüstungen  mit  neuem  Eifer  betrieb:  sobald  die  Zuzüge
aus  Deutschland  eingetroffen  sein  würden,  wollte  er,  auch  wenn
seine  Kraft  der  der  Lombarden  immer  noch  nachstand,  einen  entscheidenden
  Schlag  führen,  durch  einen  raschen  kühnen  Angriff  den
Sieg  an  seine  Fahnen  fesseln.

J.  März.  Heinrich  kehrte  nach  Ranshofen  zurück,  wo  er  am  7.  März
eintraf")  und  sich  nun  endlich  die  Klagen  des  Propstes  von  Reichersperg
  gegen  Heinrich  von  Stein  vortragen  ließ,  um  der  so  lange
von  der  frechen  Willkür  dieses  Ritters  geplagten  Kirche  Ruhe  und
ihr  Recht  zu  verschaffen.  Er  ließ  ihn  nach  Enns  vorladen:  dorthin
begab  er  sich  selbst.  In  Gegenwart  einer  glänzenden  Versammlung
von  baierischen  und  österreichischen  Großen  hatte  er  in  Enns  mit
dem  Herzoge  Heinrich  von  Oesterreich  einc  feierliche  Zusammenkunft.

14.  Min.  Nachdem  er  dann  am  Sonntag,  den  14.  März,  die  Messe  gehört,
hielt  er  unter  dem  Portale  der  Kirche  sitzend  feierlich  Gericht.  In

II  Die  Begründung  dieser  von  dem  weichenden  Darstellung  giebt  Excurs  II.
Hergebrachten  allerdings  durchaus  ab-  2)  Reg.  151.