Der  Bruch  mit  dem  Kaiser.  303

Gegenwart  des  Angeklagten  wiederholte  der  Propst  von  Reichersperg  unm
seine  schweren  Anschuldigungen  gegen  Heinrich  von  Stein.  Als  aber
der  Herzog  Miene  machte,  gegen  den  Friedensbrecher  und  Räuber
der  Kirchen  das  Gesetz  in  seiner  ganzen  unerbittlichen  Schwere
walten  zu  lassen,  da  waren  die  Mönche  um  dessen  Leben  besorgt
und  zeigten  sich  zu  einem  gütlichen  Vergleiche  bereit.  Die  über  den
streitigen  Tausch  ausgestellten  Urkunden,  so  wie  die  Privilegien  der
Kirche  wurden  in  der  Versammlung  feierlich  verlesen  und  von
sämmtlichen  Anwesenden  beglaubigt:  auch  Heinrich  von  Stein  erklärte
  sich  durch  dieselben  verpflichtet..)  Nachdem  er  so  die  baierischen.
Angelegenheiten  geordnet,  kehrte  Heinrich  der  Löwe  nach  Sachsen
zurück.  Baiern  hat  er  nicht  wieder  betreten  und  Sachsen  sollte  er
erst  als  Verbannter  verlassen.

Inzwischen  war  in  Italien  die  Enscheldung  gefallen.  Der
Kaiser,  durch  die  Schaaren  der  ihm  zu  Hülfe  eilenden  Fürsten  zwar
nicht  unbeträchtlich  verstärkt,  aber  gegen  die  alle  Kräfte  anspannenden
  Lombarden  doch  immer  noch  in  der  Minderzahl,  war  seinen
Feinden  wieder  entgegengezogen.  In  der  Ebene  von  Legnano  kam
es  am  29.  Mai  zur  Schlacht:  schon  neigte  der  Sieg  auf  die  Seite  2.  Mal.
der  Deutschen,  welche  unter  Anführung  ihres  Kaisers  mit  der
größten  Tapferkeit  kämpften,  als  ein  letzter,  mit  todesmuthiger
Kühnheit  ausgeführter  Angriff  der  Lombarden  das  Schicksal  des
Tages  wandte.  Die  Deutschen  erlitten  eine  Niederlage.  Wohl
nicht  ganz  mit  Unrecht  gab  Friebrich  dieses  Unglück  der  Hülfsverweigerung
  Heinrichs  des  Löwen  schuld,  und  die  dem  Herzoge  feindlichen
  Fürsten  verfehlten  nicht,  ihn  in  diesem  Unwillen  zu  bestärken
und  auch  ihrerseits  mit  einer  Menge  von  Klagen  gegen  den  Uebermächtigen
  hervorzutreten  und  den  Kaiser  zu  energischer,  rücksichtsloser
  Bestrafung  des  treulosen  Vassallen  aufzureizen.  Noch  aber
hatte  Heinrich  keine  üblen  Folgen  seines  Benehmens  gegen  den
Kaiser  zu  fürchten.  Denn  Friedrich  I.  mußte  erst  die  durch  seine
Niederlage  in  so  ganz  unerwarteter  Weise  umgestalteten  Verwickelungen
  in  Italien  ordnen,  sich  erst  von  dieser  Seite  Ruhe  und  freie
Hand  schaffen,  bevor  er  daran  denken  konnte,  die  nun  unumgänglich
nöthig  gewordene  Umgestaltung  der  Machtverhältnisse  in  Deutschland
  vorzunehmen.

Durch  die  Schlacht  bei  Legnano  hatte  sich  Friedrichs  I.  ganze

1)  Mon.  Boie.  III,  462.