1176.

4.  Kov.

304  3.  Vuch.  1.  Kapitel.

Lage  vollkommen  verändert,  sie  bezeichnet  den  bedeutendsten  Wendepunkt
  in  seiner  Geschichte:  denn  sie  hatte  das  Scheitern  aller  der
selt  zwanzig  Jahren  mit  bewundernswürdiger  Kühnheit  befolgten
Pläne  zur  Folge,  das  Verlorengehen  alles  dessen,  was  er  in  diesen
zwanzig  Jahren  mit  den  größten  Anstrengungen  und  den  schwersten
Opfern  errungen  hatte.  Da  Friedrich,  bevor  er  an  Ordnung  der
deutschen  Angelegenheiten  denken  konnte,  seinen  Frieden  mit  dem
Papste  und  den  Lombarden  machen  mußte,  dieses  Geschäft  aber  vermuthlich
  nicht  eben  leicht  und  schnell  abzuwickeln  war,  so  hatte
Heinrich  der  Löwe  augenblicklich  noch  nicht  zu  fürchten,  daß  der
Kaiser  im  Bunde  mit  seinen  erbittertsten  Gegnern  ihm  den  Straf=  und
Rachekrieg  in  das  eigene  Land  tragen  würde.  Dennoch  traf  er,  wie
es  scheint,  schon  jetzt  Vorsichtsmaßregeln;  denn  daß  die  üblen  Folgen
seiner  Handlungsweise  früher  oder  später  in  ihrer  ganzen  Schwere
über  ihn  hereinbrechen  würden,  sah  er  voraus.  Da  er  aber  von  allen
deutschen  Fürsten  wegen  seiner  außerordentlichen  Macht  beneidet,
weger  seiner  rücksichtslosen  Gewaltthätigkeit  von  allen  gehaßt,  von  dieser
Seite  kaum  auf  irgend  eine  Unterstützung  zu  hoffen  hatte,  so  glaubte
er  zu  dem  doch  unvermeidlich  bevorstehenden  Kampfe  sich  möglichst  früh
einer  zuverlässigen  Hülfe  versichern  zu  müssen.  Er  wandte  sich  daher
  an  den  ihm  am  Nächsten  stehenden,  seinen  Schwiegervater
Heinrich  II.  von  England:  von  seiner  Macht  glaubte  er  am  Sichersten
  auf  Beistand  zählen  zu  dürfen.  Bereits  im  Herbste  1176
schickte  er  zu  diesem  Zwecke  Gesandte  nach  England.  Die  glänzende
Versammlung,  welche  diese  bei  ihrer  Anwesenheit  in  Westminster  —
am  4.  November  —  dort  vereinigt  fanden,  war  wohl  geeignet,
Heinrichs  des  Löwen  Vertrauen  auf  die  Macht  Englands  als  begründet
  erscheinen  zu  lassen.  Denn  nicht  bloß  von  dem  Sachsenherzog,
  sondern  auch  von  Friedrich  I.,  dem  Kaiser  Emanuel  aus
Constantinopel,  vom  Erzbischof  Wilhelm  von  Rheims  waren  Gesandte
  anwesend;  außerdem  waren  König  Alphons  von  Castilien,
der  Schwiegersohn  Heinrichs  II.,  und  König  Santio  von  Navarra
durch  Gesandte  vertreten,  um  langjährige  Grenzstreitigkeiten,  welche
die  Ursache  fortwährender,  verwüstender  Kriege  gewesen  waren,  von
dem  König  von  England  als  Schiedsrichter  beilegen  zu  lassen.)
Auf  das  Gesuch  Heinrichs  des  Löwen  um  Unterstützung  gegen  den

1)  Radulf.  Dicet.  ap.  Toysden  441  berichten  ausführlich  von  diesem
S8.  hist.  angl.  dec.  p.  595.  Bene-  glänzenden  Hoftage.
dict.  Petrob.  ap.  Bouauet  XVII,