Der  Bruch  mit  dem  Kaiser.  305

Kaiser  konnte  der  König  aber  nicht  eingehen:  die  allzu  große  Entfernung
  ließ  ihm  ein  solches  Unternehmen  gewagt  erscheinen.  #)
Hiernach  scheint  Heinrich  der  Löwe  von  seinem  Schwiegervater  geradezu
  verlangt  zu  haben,  daß  er  zu  seiner  Unterstützung  ein  Heer
nach  Deutschland  sende,  und  fast  gewinnt  es  den  Anschein,  als  habe
der  Herzog,  die  Abwesenheit  des  Kaisers  benutzend,  seinerseits  den
Angriff  beginnen  und  so  mit  einem  kühnen  Schlage  auf  der  einmal
betretenen  Bahn  weitergehen  und  die  höheren  Pläne,  welche  ihm
vorschwebten,  verwirklichen  wollen.  So  aber  wurde  ihm  dies  unmööglich
  gemacht.

Zweites  Kapitel.

Heinrich  der  Löwe  im  Kampfe  mit  Ulrich  von  Halberstadt
und  Philipp  von  Cöln.

Während  also  der  Kaiser  erst  mit  dem  so  lange  Jahre  hindurch
auf  das  Aeußerste  bekämpften  Papste  Alexander  III.  sich  zu  Venedig
aussöhnte,  dann  mit  den  lombardischen  Städten  langwierige  Friedensunterhandlungen
  anknüpfte,  kehrte  Heinrich  der  Löwe  noch  einmal
  auf  seinen  alten  Tummelplatz,  den  Schauplatz  so  vieler  seiner
glänzendsten  Erfolge  zurück,  indem  er  einen  neuen  Zug  gegen  die

Slaven  unternahm:  es  sollte  das  letzte  Mal  sein,  daß  diese  die

starke  Hand  des  gewaltigen  Herzogs  zu  fühlen  bekamen.

Wieder  waren  Räubereien  der  Slaven  die  Veranlassung  zu
diesem  Zuge.  Sie  hatten  nämlich  ein  reich  mit  Schätzen  und  Kostbarkeiten
  aller  Art  beladenes  Schiff  des  Königs  Waldemar  von
Dänemark  geplündert  und  die  Gesandten  desselben,  welche  für  diesen
Frevel  Rechenschaft  und  Ersatz  fordern  sollten,  verhöhnt  und  mishandelt.
  Dem  zu  gemeinsamer  Bekämpfung  der  Slaven  früher
zwischen  ihnen  abgeschlossenen  Vertrage  gemäß  forderte  Waldemar
den  Herzog  zu  einem  Rachezuge  gegen  sie  auf.  Im  Sommer  1177
brachen  sie  von  verschiedenen  Seiten  her  in  das  Gebiet  der  Slaven
ein.  Während  Waldemar,  von  den  Rugiern  unterstützt,  die  Pom-1)

  Benedict.  Petrob.  l.  c.:  do--  tate  sua  ei  auziliari  non  Potuit  proluit
  vehementer  eo,  ducd  pro  volun-  pter  locorum  distantiam.  —
Pruy,  Heinrich  der  Lawe.  20

1177.