306  3.  Buch.  2.  Kapitel.

mern  vor  sich  hertreibend,  das  Land  mit  Feuer  und  Schwert  verwüstend
  bis  Julin  vordrang  und  diese  alte,  schätzereiche  Handelsstadt,
  welche  die  Einwohner  verlassen  hatten,  zerstörte  und  dem
Boden  gleichmachte'),  mühete  sich  Heinrich  der  Löwe  gemeinsam  mit
Otto  von  Brandenburg  mit  der  Belagerung  des  festen  Demmin
ab,  welches  schon  früher  seinem  siegreichen  Vordringen  unüberwindliche
  Hindernisse  entgegengestellt  hatte.  Vergeblich  ließ  er  die  Belagerungsmaschinen
  gegen  die  festen  Manern  arbeiten,  vergeblich
suchte  er  sich  der  Festung  zu  bemächtigen,  indem  er  den  ihn
von  der  Stadt  trennenden  Fluß  oberhalb  derselben  ableiten  ließ:)
Wochen  lang  hielt  sich  die  Stadt  und  noch  war  keine  Aussicht,  daß
sie  in  seine  Hände  kommen  würde.  Waldemar,  welcher  seinerseits
den  Zweck  des  Zuges  erreicht  hatte,  rieth  ihm,  von  dem  doch  aussichtslosen
  Unternehmen  abzustehen.

Da  aber  erhielt  Heinrich  der  Löwe  eine  Nachricht,  welche  ihn
erkennen  ließ,  daß  nun  der  langerwartete  Kampf  beginnen  werde.
In  dem  zwischen  Friedrich  I.  und  dem  Papste  zu  Anagni  geschlossenen
  Frieden  nämlich  war  bestimmt,  daß  an  die  Stelle  des  während
  des  Schisma  vom  Kaiser  unter  persönlicher  Mitwirkung  des
Herzogs  von  Sachsen  gewaltsam  eingesetzten  Bischofs  Gero  von
Halberstadt  wieder  der  damals  vertriebene  Ulrich  treten  sollte.)
Sobald  Heinrich  die  bereits  erfolgte  Rückkehr  desselben  nach  Halberstadt
  erfuhr,  wurde  es  ihm  klar,  daß  damit  das  Signal  zu  einer
langen  Reihe  mühevoller  Kämpfe  gegeben  war.')  Denn  der  Bischof
Ulrich  gehörte  —  das  wußte  Heinrich  nur  zu  gut  —  zu  seinen  erbittertsten
  und  unversöhnlichsten  Gegnern.  Auch  war  es  nicht  anzunehmen,
  daß  derselbe  all  das  Leid  und  alle  die  Kränkungen,
welche  Heinrich  ihm  zugefügt,  schon  hätte  vergessen  haben  sollen.
Denn  der  Herzog  hatte  nicht  bloß  früher  schon  mit  Ulrich  in  man-3)
  ibid.  p.  921:  Legatione  deinde

1)  Savo  Gram.  p.  920:  Qua  inad
  Henricum  missa,  praesenti  miliiuria

  Waldemarus  —  accensus  Henuricum

  in  societatem  ultiopis  sollicitat
Rugianisque,  ducd  hostilium  locorum
gnari  essent,  in  commilitium  evooatis
per  Suinam  invectus,  Julinum  oppidum,
  incolarum  fuga  desertum,  incendio
  tentat,  Henrieo  Diminum  obsidione
  compleo.

2)  Sazo  Gr.  p.  921:  Qui  —  amnem,
  qui  castra  sun  a  moenibns  dividebat,
  transverso  deducto  alvco,  remotiore
  cursu  urbem  prnueterlabi  coegit.
—  Ann.  Pegav.  P.  261.

tiae  flnem  imponere  iubet,  illo  obsidionem,
  quam  frustra  gesserit,  ocyus
soluturo.

1)  Instr.  pacis  Anagn.  art.  13
(ap.  Watterich,  Vitae  pontiflc.  II,
P.  599):  „Gero  nunc  dictus  Alberstatensis
  deponetur  et  Ulricus  rcstituetur.“
  Cf.  Ann  Palid.  p.  95.

5)  Arnold.  Lub.  I,  18:  Audito
ergo  ingressu  Udalriei,  intelligens  se
iam  circumventum  esse:  „  a  mibi,
video,  bella  parantur!“  eit.