Heinrich  d.  L.  im  Kampfe  mit  Ulrich  von  Halberstadt  u.  s.  w.  313

hen,  daß  der  Gewaltige  sich  scheue,  vor  seiuem  Kaiser  zu  Recht  und
Gericht  zu  stehen,  traten  sie  immer  zahlreicher  und  mit  immer  schwereren
  Klagen  gegen  den  bisher  für  unanfechtbar  gehaltenen  Welfen
hervor.  Schon  beschuldigte  man  ihn  offen  des  Verrathes  an  Kaiser
und  Reich,  und  der  Markgraf  Dietrich  von  Landsberg  erklärte  sich
bereit,  mit  den  Waffen  in  der  Hand  gegen  den  Herzog  die  Wahrheit
dieser  Anschuldigungen  im  Zweikampfe  zu  beweisen:  namentlich  —
und  nicht  mit  Unrecht  —  warf  er  es  ihm  als  Verrath  vor,  daß  er
die  bisher  von  ihm  so  eifrig  bekämpften  Slaven  als  seine  Bundesgenossen
  benutzt  und  sie  im  Herbste  des  vorigen  Jahres  zu  einem
verheerenden  Einfalle  in  das  Erzbisthum  Magdeburg  aufgereizt  hätte.)
Während  den  Feinden  Heinrichs  des  Löwen  mit  der  Erbitterung
  auch  der  Muth  wuchs  und  sie  immer  rücksichtsloser  ihre  letzten
Absichten  enthüllend  gegen  ihn  anstürmten,  erlitt  er  selbst  in  einer
solchen  Zeit  doppelt  bedenkliche  Verluste,  indem  der  Tod  ihm  aus
der  Zahl  seiner  Freunde  und  Helfer  gerade  die  bedeutendsten  und
zuverlässigsten  hinwegraffte.  Denn  gerade  damals  starb  der  tapfere
und  kriegserfahrene,  seinem  Herzoge  treu  ergebene  Graf  Heinrich  von
Kefernburg.  Er  war,  nachdem  Graf  Adolf  II.  von  Schauenburg
im  Jahre  1166  in  jenem  unglücklichen  Gefechte  vor  Demmin  gefallen
  war,  vom  Herzoge  dem  unmündigen  Sohne  desselben  als  Vormund
  und  der  Grafschaft  als  Verwalter  gegeben  worden,)  hatte
dann  die  edle  Mathilde,  seines  Vorgängers  Wittwe  und  Mutter
seines  Mündels,  geheiratet  und  eine  lange  Reihe  von  kriegerisch  bewegten
  und  an  Gefahren  reichen  Jahren  dem  ihm  anvertrauten
Lande  auf  das  Trefflichste  vorgestanden.')  Angesichts  der  neuen  und
entscheidenden  Kämpfe,  welche  bevorstanden,  wog  ein  solcher  Mann
doppelt  schwer  und  nur  mit  großem  Schmerze  konnte  Heinrich  die
Nachricht  von  seinem  Tode  vernehmen.  Da  der  junge  Graf  von
Schauenburg  in  kurzer  Zeit  das  Alter  der  Mündigkeit  erreicht  hatte,
so  ließ  der  Herzog  die  Verwaltung  der  Grafschaft  bis  dahin  in  den
1)  Arnold.  Lub.  II.  10:  —  dem  J.  1180,  in  den  „Forschungen“  I,
Tbeodoricos  marchio  de  Landsberg  p.  331.  —  Chr.  Mont.  Sereni
duellum  contrs  eum  expetiit  imponens  a.  1180:  Huius  itaque  vulneris  (des
ei  quesdam  traditiones  contra  impe-  Slaveneinfalles)  dolore  marchio  stirium
  factas.  Verius  tamen  propter  malatus  ducem.  tamquam  qui  imindignstionem
  id  lactum  fuisse  credi-  peratorem  conjiurasser,  ad  duellum
tur,  quia  Slavi  exciti  a  duce  omnem  coram  impoeratore  ssepius  provocaterram
  illius,  quae  Lusiee  dicitur,  bat
irrecuperabiliter  vastaverant.  —  Ueber  2)  Helmal.  II,  "u  Val=  oben  S.  235.

die  Zeit  des  Slaveneinfalls  vgl.  L.  3)  Arnold.  Lub.  II,  10:  Mor-Cohn,
  Ueber  zwei  Ereignisse  aus  tous  autem  esl  tane  temporis  Henricus

1178.