1179.

316  3.  Buch.  2.  Kapitel.

Da  hielt  Heinrich  der  Löwe,  welcher  inzwischen  den  Magdeburger
  Reichstag  unbeachtet  hatte  vorübergehen  lassen,  denn  doch  den
Augenblick  für  gekommen,  um  eine  Aussöhnung  mit  dem  Kaiser  zu
versuchen.  Von  Haldensleben  aus,  wo  er  damals  verweilte,  bat  er
daher  den  Kaiser  um  eine  Zusammenkunft.  Friedrich  ging  bereitwillig
  darauf  ein,  und  zwischen  Magdeburg  und  Haldensleben  fand
die  Unterredung  statt..))  Schon  standen  sich  die  beiden  gewaltigen
Fürsten  fast  mit  gezücktem  Schwerte  gegenüber  und  es  war  dies  der
letzte  Versuch,  die  Dinge  in  ihr  altes  Geleise  zurückzulenken.  Daß
dies  aber  noch  immer  möglich  war,  ja  daß  der  Kaiser  selbst  es  gewünscht
  und  die  schmerzliche  Nothwendigkeit  gegen  den  ihm  so  werthen
  und  um  ihn  —  das  konnte  er  selbst  nicht  leugnen  —  so  wohlverdienten
  Mann  zu  Felde  ziehen  zu  müssen  noch  immer  zu  vermeiden
  geneigt  war,  das  beweist  einmal  die  Bereitwilligkeit,  mit  der  er
dem  Wunsche  des  Herzogs  nachkommt  und  mit  Uebergehung  der
Reichsfürsten  sich  mit  ihm  selbst  in  Unterhandlungen  einläßt,  das
beweisen  namentlich  auch  die  überaus  milden  Bedingungen,  welche
er  dem  abtrünnigen  Vassallen  stellte.  Bei  jener  Zusammenkunft  erklärte
  sich  Friedrich  nämlich  bereit,  gegen  eine  Buße  von  fünftausend
Mark,  welche  ihm  Heinrich  erlegen  sollte,  nicht  bloß  alle  Rechtsansprüche,
  welche  er  gegen  ihn  hatte,  fallen  zu  lassen,  sondern  auch
zwischen  ihm  und  den  so  aufgebrachten  Reichsfürsten  einen  günstigen
Frieden  zu  Stande  zu  bringen.  Aber  selbst  auf  so  günstige  Bedingungen
  ging  Heinrich  der  Löwe  nicht  ein")  Nun  mußten  die  Waffen
  zwischen  ihnen  entscheiden.

Die  Feinde  Heinrichs  konnten  sich  dessen  natürlich  nur  freuen
und  mit  immer  siegesfroherem  Eifer  drangen  sie  auf  ihn  ein.  Allen
voran  an  Energie  der  Feindschaft  ging  Bischof  Ulrich  von  Halberstadt:
  nicht  genug,  daß  er  die  Lande  des  Herzogs  durch  fortwährende
Einfälle  verheerte  und  ihnen  mit  Sengen  und  Brennen  schwere  Verluste
  zufügte,  er  nahm  zu  den  weltlichen  Waffen  auch  noch  die  geistlichen
  zu  Hülfe,  indem  er  den  Herzog  mit  dem  Bann,  sein  Land,

1)  Arnold.  L  ub.  II,  10:  In  Haldensleben
  tamen  constitutus  per  internuntios
  colloquinm  domini  impe--ratoris
  expetitt.  Imperator  itaque
exivit  ad  eum  ad  locum  pleeiti,
quem  dux  verbis  compositis  lenire
studuit.

2)  Arnold.  Lub.  II,  10:  Imperator
  autem  quinque  millia  marcarum

ab  eo  expetiit,  hoc  ei  dans  consilium,
ut  hune  honorem  imperatoriae  meiestati
  deferret  et  ipso  mediante  grutiam
  principum,  quos  offenderat,  inveniret.
  IIIi  autem  durum  visum  est
tantam  persolvere  peconiam  et  non
acquiescens  verbis  imperatoris  discessit.
