Der  Entscheidungskampf  mit  dem  Kaiser.  325

andern  Fürsten  zu  übergeben.  Er  hatte  eben  erst  zu  nachdrücklich
erfahren,  was  für  eine  Quelle  gefährlicher  Macht  in  diesem  großen
Stammesherzogthume  lag,  als  daß  er  sich  gleich  wieder  einer  ähnlichen
  Gefahr  hätte  aussetzen  sollen.  Auch  hätte  er  durch  die  Verleihung
  Sachsens  an  einen  Fürsten  nur  den  Grund  zu  neuen  Verwirrungen
  und  Streitigkeiten  gelegt:  diese  aber  zu  beseitigen  und
zwischen  den  sächsischen  Fürsten  endlich  Ruhe  und  Frieden  herzustellen,
  mußte  er  ja  vor  allen  Dingen  bemüht  sein.  Friedrich  hielt  es
daher  für  das  Beste,  das  Herzogthum  zu  theilen:  durch  die  Zerstückelung
  verlor  es  die  in  der  Größe  liegende  Gefährlichkeit,  und
durch  die  Verleihung  der  Theile  an  einzelne  der  mächtigsten  Reichsfürsten
  konnte  er  diese  einmal  für  ihren  gegen  Heinrich  den  Löwen
bewiesenen  Eifer  belohnen  und  sie  sich  zugleich  aufs  Neue  verpflichten
  und  enger  an  sich  heranziehen.  Die  Herzogswürde  über  Westfalen
  wurde  in  ihrer  vollen  Ausdehnung  dem  Erzbischof  Philipp  von
Cöln  übertragen,  welcher  durch  diesen  so  bedentenden  Zuwachs  an
Land  auch  an  Macht  zum  ersten  Fürsten  des  Reiches  emporstieg.
Nur  hatte  sich  der  Kaiser  getäuscht,  wenn  er  sich  den  stolzen  Kirchenfürsten
  dadurch  um  so  enger  verbunden  glaubte.  So  lange
Heinrich  der  Löwe  noch  unbesiegt  und  ihm  daher  der  Besitz  seines
neuen  Herzogthums  noch  nicht  ganz  gesichert  war,  zeigte  sich  Philipp
als  den  eifrigsten  Anhänger  des  Kaisers.  Sobald  aber  sein  gefährlicher
  Gegner  am  Boden  lag,  stand  er  keinen  Augenblick  an,  in  der
Benutzung  seiner  neuen  Macht  dessen  Beispiele  zu  folgen.  —  Was
die  reichen  Bisthümer  Magdeburg,  Bremen,  Paderborn,  Verden,
Hildesheim  u.  s.  w.  dem  Herzoge  zu  Lehen  gegeben  hatten,  zogen  sie
jetzt  wieder  zurück,  und  so  war  es  nur  ein  sehr  bescheidener  Theil
des  ehemals  so  stolzen  Sachsens,  den  jetzt  der  Graf  Bernhard  von
Anhalt  als  neuer  Herzog  von  Sachsen  erhielt:')  das  größte  und
reichste=  Stück  hatte  der  Erzbischof  von  Cöln  als  Lswenantheil  davongetragen.

So  hatte  man  den  gewaltigen  Heinrich  allerdings  des  bedeutenderen
  seiner  beiden  Herzogthümer  entsetzt,  aber  bis  jetzt  nur  auf
1)  Bgl.  die  bekanute  Urkunde  Mon.  destiterit,  tam  pro  illorum  iniuria,
LI..  II,  pᷣ  163  s  Grund  dieses  quam  pro  multiplici  contemptu  nobis
Urtbeils  die  Eriwaealsne  und  Fort=  erhibito  ae  pmmecipue  pro  evidenti
setung  der  Vergehen  angegeben  wird,  reatu  maicstatie,  sub  feodali  iure  legium
  derentwillen  er  erst  in  die  Acht  timo  trino  elicto  ad  nostram  citatus
gethan  war,  mit  den  Worten:  Deinde  audientiam  et  quod  sc  absentasset  nec

duoniem  in  ecclesias  Dei  et  prineipum  aliquem  pro  se  misissot  responsalem
ei  nobilium  libertatem  grassari  non  dontumex  iudicatus  est