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20.  Apr.

326  3.  Buch.  3.  Kapitel.

dem  Pergamente;  um  aber  diesen  Beschluß  auch  faltisch  zu  verwirklichen,
  bedurfte  es  noch  größerer  Anstrengungen  und  schwererer
Kämpfe.  Daher  beschloß  man  gleich  darauf  zu  Worms,  wo  der
Kaiser  das  Osterfest  beging,  daß  sich  am  Tage  des  heiligen  Jacobus
(25.  Juli)  alle  Fürsten  zum  gemeinsamen  Zuge  gegen  Heinrich  um
Friedrich  versammeln  sollten.

Jetzt  war  für  Heinrich  die  letzte  Aussicht  auf  eine  friedliche  Lösung
  seiner  Verwickelungen  geschwunden.  Er  war  durchaus  auf  sich
selbst,  das  Glück  seiner  Waffen  und  die  Treue  seiner  Vassallen  angewiesen.
  Von  der  Unzuverlässigkeit  dieser  letzteren  Stütze  mußte
er  sich,  als  es  mit  dem  Kampfe  Ernst  wurde,  nur  allzu  bald  überzeugen.
  Jetzt,  wo,  den  Kaiser  an  der  Spitze  ganz  Deutschland  gegen
ihn  in  Waffen  stand,  und  er  keinen  einzigen  der  Reichsfürsten  seinen
Bundesgenossen  nennen  konnte,  dachte  Heinrich  der  Löwe  nochmals
ernstlich  daran,  sich  der  Hülfe  des  Auslandes  zu  versichern.  England
und  Dänemark  waren  es,  auf  deren  Beistand  er  hoffen  konnte.
Freilich  wußte  er  auch,  daß  Dänemark  ihm  keineswegs  geneigt  war,
es  auch  nicht  sein  konnte.  Heinrich  hatte  es  dazu  seine  Uebermacht
zu  sehr  empfinden  lassen.  Als  er  seine  glänzende  Laufbahn  begann,
war  Dänemark  durch  die  verwüstenden  und  entsittlichenden  Thronstreitigkeiten
  vollständig  geschwächt:  Heinrich  hatte  diese  Ohnmacht
schonungslos  benutzt,  indem  er  bald  den  einen,  bald  den  anderen  der
sich  wild  bekämpfenden  Thronprätendenten  unterstützte,  je  nachdem  ihm
auf  der  einen  oder  der  anderen  Seite  der  größere  Vortheil  zu  erwachsen
  schien.  Als  dann  der  Bürgerkrieg  endlich  ausgetobt  hatte,
als  das  Reich  anfing  sich  unter  der  umsichtigen  und  die  Umstände
klug  benutzenden  Regierung  Waldemars  I.  allmählich  zu  erholen,
hatte  auch  dieser  König  das  Uebergewicht  des  benachbarten  Sachsenherzogs,

  so  lästig  es  ihm  war,  noch  oft  ruhig  ertragen  müssen,  denn

er  bevurfte  seiner,  um  sich  ver  verheerenden  Angriffe  der  Slaven  zu
erwehren.  Aber  nachdem  er  dann  mit  Heinrichs  Hülfe  dem  Seeräuberunwesen
  der  Slaven  ein  Ende  gemacht  hatte,  erhob  sich  das
Reich  schneller  zu  neuer  Kraft,  und  während  es  früher  eine  wehrlose
  Beute  der  Slaven  gewesen  war,  fing  es  nun  an,  selbst  erobernd
gegen  sie  vorzudringen.  Damit  mußte  sich  denn  auch  die  Stellung
zu  Heinrich  dem  Löwen  gänzlich  ändern.  Dieser  nämlich,  welcher
die  Bekämpfung  und  Unterwerfung  der  Slaven  recht  eigentlich  als

2)  Ann.  Pegav.  p.  263.  Expe-  omnibus  prineipibus  contra  ducem  H.
ditio  usque  ad  festum  sancti  Jacobi  indicitur  ab  imperatore  Friderico.