Der  Entscheidungskampf  mit  dem  Kaiser.  335

aber  statt  sie  zu  eifrigem  Ausharren  bei  ihm  anzuspornen,  trieb  sie
dieselben  im  Gegentheil  nur  noch  mehr  zum  Abfall.  Es  kam  dazu,
daß  gerade  in  dieser  Zeit  die  letzte  vom  Kaiser  gewährte  Frist  ablief,
  und  so  geschah  es,  daß  die  Vassallen  Heinrichs  der  Aufforderung
  des  Kaisers  immer  zahlreicher  Folge  leisteten  und  sich  und
ihre  Burgen  in  seine  Gewalt  begaben.  So  verließen  jetzt  die  Grafen
  von  Ilefeld,  Wöltingerode,  Scharzfels  und  viele  andere  den  Herzog,
  und  auch  viele  Burgen,  wie  Staufenberg,  Schildberg,  Herzberg
und  andere  fielen  in  des  Kaisers  Hände.')  Daß  dieser  massenhafte
Abfall  zum  großen  Theile  seinen  Grund  darin  hatte,  daß  die  Vassallen
  bei  Heinrich  dem  Löwen  für  alle  Aufopferung  doch  nur  Undank
zu  erwarten  hatten,  Heinrich  aber  durch  ein  mildes  und  weniger
gewaltthätiges  Benehmen  viele  bei  seinen  Fahnen  hätte  erhalten
können,  bewies  er  am  veutlichsten  dadurch,  daß  er  gerade  in  dieser
Zeit  sich  durch  Milde  einen  neuen  und  ausharrenden  Freund  erwarb.
  Unter  den  in  der  Schlacht  bei  Halrefeld  gemachten  Gefangenen
  befand  sich  auch  Graf  Simon  von  Teklenburg,  ein  kühner
Krieger.  Durch  die  Milde  und  Güte,  mit  welcher  ihn  der  Herzog
nach  anfänglicher  Strenge  behandelte,  gewann  er  sich  dessen  Neigung
  in  so  hohem  Grade,  daß  sich  der  Graf  nicht  bloß  bereit  zeigte,
für  seinen  alten  Lehensherrn  wieder  die  Waffen  zu  führen,  sondern
sogar  der  eifrigste  und  beständigste  seiner  Vorkämpfer  wurde  und,
als  alle  andern  ihn  verließen,  in  unerschütterlicher  Treue  bei  ihm
aushielt.)  Ein  solches  Beispiel  von  Beständigkeit  mußte  dem  Herzoge
  um  so  werthvoller  sein,  als  es  beinahe  das  einzige  war.

Aber  nicht  Treulosigkeit  und  Abfall  allein,  sondern  auch  der
Tod  lichtete  die  Reihen  der  Anhänger  Heinrichs.  Gegen  Ende  des
Jahres  1180  starb  Kazimar,  der  Fürst  der  Pommern),  bisher  des
Herzogs  treuer  Verbündeter,  und  da  sein  Bruder  Bogislav,  der
ihm  folgte,  es  für  sicherer  hielt,  sich  dem  Kaiser  anzuschließen,  so
verlor  Heinrich  auch  auf  dieser  Seite  die  gehoffte  Unterstützung.
Die  Aussichten  für  den  bevorstehenden  Kampf  gestalteten  sich  so
Arnold.

1)  ##nan  Pegar.  p.  261.  keiene,  factus  est  duei  üdelissimus

Lub.  II,

2)  1.  L.  ub.  II,  13:  Plures
tamen  a  militibus  in  enpttivitatem  dueti
sunt,  inter  quos  praecipuus  erat  Simon
comes  de  Tokeneburg:  qui  a  duce
coniectus  est  in  vineula,  constritus
manicis  ferreis  —.  Postea  tamen  solutus
  a  vinculis,  sub  iureiurando  fldem

in  omni  illn  controversia  sccum
zue  bersosembel.
Pegav.  p.  263,  deren
Nichugen  bowichen  ist  durch  die  scharfsinnige
  Untersuchung  von  A.  Cohn,
Ueber  zwei  Ereignisse  aus  dem  J.  1180,
in  „Forschungen“  1,  p.  329.