1180.

1181.

1.  Febr.

336  3.  Buch.  3.  Kapitel.

immer  ungünstiger.  Doch  wuchs  mit  der  Gefahr  auch  des  Löwen
Muth  und  Thatkraft.  Wiederum  versammelte  er  seine  freilich  nun

schon  sehr  zusammengeschmolzenen  Vassallen  während  des  Weihnachtsfestes

  zu  Lüneburg.  Aber  eben  hier  stand  ihm  ein  neuer  Verlust
bevor:  der  ihm  bisher  so  treu  ergebene  Graf  Bernhard  von  Ratzeburg
  wurde  beschuldigt,  ihm  und  seiner  ganzen  Familie  nach  dem
Leben  zu  stehen  —  ob  mit  Recht  oder  nicht,  muß  dahingestellt  bleiben..))
  Sofort  ließ  Heinrich  den  Grafen  und  seinen  Sohn  Friedrich
  einkerkern  und  in  einer  Zeit,  wo  er  alle  seine  Kräfte  zu  dem
Kampfe  mit  dem  Kaiser  nöthig  hatte,  eilte  er  mit  einer  schnell  gesammelten
  Schaar  im  tiefsten  Winter  gegen  Ratzeburg,  das  des
Grafen  Leute  auf  das  Tapferste  vertheidigten.  Da  aber  die  auf
den  zunehmenden  Handel  und  Wohlstand  dieser  Stadt  neidischen
Lübecker  dem  Herzoge  mit  Schiffen  und  Kriegsmaschinen  zu  Hülfe
eilten,  so  gelang  es  ihm,  sie  in  kurzer  Zeit  so  sehr  zu  bedrängen,
daß  Graf  Bernhard  selbst,  den  er  gefangen  mit  sich  geführt  hatte,
die  Uebergabe  befahl.  Er  wurde  darauf  in  Freiheit  gesetzt  und  begab
  sich  nach  Gadebusch.  Als  er  aber  auch  von  da  aus  Verbindungen
  mit  Heinrichs  Gegnern  unterhielt,  eilte  ihm  dieser  mit  gewaffneter
  Hand  nach  und  zerstörte  auch  diese  Burg.  Nunmehr
aber  trat  Bernhard  von  Ratzeburg  ganz  offen  auf  die  Seite  des
Kaisers  über.  Heinrich  aber  übergab  wie  früher  Plön  und  Segeberg,
  so  jetzt  Ratzeburg  seinen  Getreuen  zur  Besetzung  und  Vertheidigung.=


  so  Heinrich  der  Löwe  durch  den  Abfall  gerade  seiner
bedeutendsten  Vassallen  sehr  empfindlich  geschwächt  und  mit  denen,
auf  deren  Hülfe  er  vorzüglich  angewiesen  war,  zu  kämpfen  genöthigt
wurde,  hatten  sich  seine  Gegner  trefflich  gerüstet,  und  kaum  hatte
das  neue  Jahr  begonnen,  als  sie  auch  schon  die  Feindseligkeiten
wieder  aufnahmen.  Am  1.  Februar  1181  brachen  Wichmann  von
Magdeburg  und  viele  andere  der  gegen  ihn  verbündeten  Fürsten  in
sein  Gebiet  ein.  Sie  wandten  sich  gegen  das  feste,  bereits  vor  zwei
Jahren  vergeblich  angegriffene  Haldensleben.  An  der  Spitze  der

1)  Eine  Aufklärung  dieser  Frage  dem  Sturze  Heinrichs  seinen  vom  Haß

a  nicht  mgich  nach  dem  ganzen  der  Sieger  verfolgten  Getreuen  einen
erhältniß  Bernhards  zum  Herzoge  schützenden  ufiu  tsort  gewährt,  (Araber

  läßt  sich  ein  solcher  Verdacht  kaum  nold.  Lub.  III,  1),  was  alles  zu  so

als  gegründet  erachten,  zumal  da  wir  ausschweisenden  Plänen  wenig  stimden
  Ratzeburger  später  als  Anhänger  men  will.

der  Welfen  finden,  wie  er  ja  auch  nach  2)  Arnold.  Lub.  II,  19.