Der  Entscheidungskampf  mit  dem  Kaiser.  337

Unternehmung  stand  auch  diesmal  Wichmann  von  Magdeburg.  Die  lisi.
Besatzung  hatte  unter  der  Leitung  Bernhards  von  Lippe  die  umfassendsten
  Vertheidigungsmaßregeln  getroffen.  Die  auf  der  einen
Seite  von  der  Ohre  gedeckte  Stadt  hatte  sie  durch  Ableitung  eines
anderen  Flüßchens,  der  Bever,  vollständig  zur  Insel  gemacht.
Diese  Befestigung  aber,  welche  die  Stadt  vollends  uneinnehmbar
machen  sollte,  gereichte  ihr  zum  Verderben.  Gelang  es  nämlich  den
Belagerern,  den  Abfluß  der  angesammelten  Gewässer  zu  hindern,
so  war  die  Stadt  der  gänzlichen  Ueberschwemmung  preisgegeben.
Mit  unsäglicher  Mühe  bauten  sie  daher  in  drei  und  einem  halben
Monat  einen  Damm,  der  den  Abfluß  unmöglich  machte.  Das
Wasser  sammelte  sich  und  wuchs  vurch  den  fortwährenden  Zufluß
aus  den  Sümpfen  und  Bächen  der  wasserreichen  Gegend  endlich  zu
solcher  Höhe,  daß  es  die  ganze  Stadt  überfluthete.  So  war  es
Wassersnoth,  welche  die  tapferen  Vertheidiger  endlich  zur  Uebergabe
nöthigte.  Doch  mußte  man  ihnen  noch  freien  Abzug  gewähren.)
Der  Verlust  dieser  stattlichen,  bisher  für  uneinnehmbar  gehaltenen
Festung  mußte  den  Herzog  sehr  empfindlich  treffen.

Denn  gerade  die  Burgen  und  festen  Plätze  waren  es,  auf  die
er  seine  Hoffnungen  setzte:  dem  mit  einem  gewaltigen  Heere  heranziehenden
  Kaiser  in  offener  Feldschlacht  zu  begegnen,  mochte  er  sich
wohl  nach  dem  Verluste  so  vieler  Vassallen  nicht  mehr  für  stark  genug
  halten.  So  hatte  Heinrich  der  Löwe  denn  auch  nach  Beenrigung
  seines  Rachezuges  gegen  Bernhard  von  Ratzeburg  vornehmlich
der  Befestigung  seiner  letzten  festen  Plätze  obgelegen.  Zum  Hauptwaffenplatz
  und  Zufluchtsort  für  den  äußersten  Widerstand  hatte  er
Lübeck  ausersehen  und  dort  auch  längere  Zeit  die  Befestigungsarbeiten
  persönlich  geleitet.))  Von  da  begab  er  sich  nach  Ratzeburg,  um
auch  dort  alles  zum  Widerstande  vorzubereiten.  Am  St.  Petersund
  Paulstage,  den  29.  Juli,  brach  er  von  da  auf,  um  sich  weiter  29.  durl
nach  der  Elbe  zu  begeben.  Seine  Getreuen,  denen  er  die  Vertheidigung
  des  wichtigen  Platzes  anvertraut  hatte,  gaben  ihrem  Herrn

1)  Einen  genauen  Bericht  Über  diese  copus  —  consilio  quorundam  vallum
Belagerung  *  das  Chron.  Mont.  exstruit,  preterfluentes  aquas  congroeroni

  a.  und  Ann.  Pegav.  gat  ipsumquc  locum  capit  submersione

.  264.  —  aber  damit  überein=  absque  cortaminis  rong'rteione.
Emen.  erzählen  davon  Arnold.  2)  Arnold.  Lub.  II,  20:  Dux
ub.  II,  11,  (Laurent  in  der  Ueber--  gutem  eo  tempore  Lubeke  constitutus

47  sebt  diese  Belagerung  Abn  erat,  muniens  eivitatem  ei  erigens
fäl  oucch  pis  ebas,  Jahr  1179).  Ann.  machinas  multas
Wichmannus  archiepisrst-

  **  der  25we.  22