Der  Entscheidungskampf  mit  dem  Kaiser.  341
tenden  Parteien  zuneigte,  sich  nicht  entscheiden  wollen,  so  hielt  er
jetzt  den  Augenblick  für  gekommen,  sich  von  jeder  Verbindung  mit
Heinrich  loszusagen.  Denn  schon  war  der  Schauplatz  des  Kampfes
in  die  unmittelbarste  Nähe  seines  eigenen  Gebietes  verlegt,  und  da
ihm  der  Kaiser  schon  lange  um  offenen  Anschluß  angelegen  hatte,
so  glaubte  er,  da  die  Entscheidung  keinen  Augenblick  mehr  zweifelhaft
  sein  konnte,  sich  auch  nicht  mehr  ohne  Mistrauen  zu  erregen,
in  einer  neutralen,  aber  durchaus  zweideutigen  Stellung  halten  zu
können.  Schwankte  Waldemar  noch  irgendwie,  so  mußte  es  den
Ausschlag  geben,  daß  ihm  der  Kaiser  eine  verwandtschaftliche  Verbindung
  durch  Vermählung  ihrer  Kinder  vorschlug.  Die  Aussicht,
seine  Tochter  einst  als  Gemahlin  eines  Kaisers  zu  sehen,  schmeichelte
dem  Ehrgeize  res  von  kleinen  Anfängen  zu  einer  immerhin  bedentenden
  Stellung  gestiegenen  Dänenkönigs.  Zwar  waren  die  Großen
seines  Reiches  dem  Kaiser  keineswegs  günstig  gestimmt:  sie  durchschauten
  es  sehr  wohl,  daß  es  dem  Kaiser  weniger  um  die  Verlobung
  zu  thun  war  als  darum,  Waldemar  gänzlich  von  Heinrich
dem  L#wen  zu  trennen!),  und  riethen  daher  entschieden  von  der
vorgeschlagenen  Verlobung  ab.  Waldemar  aber  ließ  nicht  davon
ab,  zumal  da  ihn  seine  Gemahlin  in  echt  weiblichem  Ehrgeize  noch
in  dieser  Neigung  bestärkte.  Er  schickte  Gesandte  an  den  Keiser,
um  mit  diesem  über  die  Bedingungen  der  Verlöbnisse  zu  unterhaudeln.
  Doch  konnte  man  sich  nicht  einigen,  und  als  daher  Friedrich
den  König  zu  einer  persönlichen  Unterredung  einlud,  stand  dieser
keinen  Augenblick  an,  der  Aufforderung  Folge  zu  leisten.  Mit  einer
stattlichen  Flotte  und  in  königlicher  Pracht  fand  er  sich  vor  Lübeck
ein.)  Er  verschloß  nun  den  Lübeckern  den  Weg  zur  Sec,  und  da
sie,  auch  zu  Lande  vom  Kaiser  immer  enger  eingeschlossen  ),  bald
von  allen  Hülfsquellen  abgeschnitten  waren,  so  wurde  die  Kraft  ihres
Widerstandes  bald  gebrochen.  Auf  das  Aeußerste  aber  wollten  sie
es  denn  doch  nicht  ankommen  lassen,  ihre  bereits  so  reich  blühende
Stadt  nicht  einem  gänzlichen  Sturze  preisgeben.  Dabei  jevoch  ver-Rex

  vero

1)  Saxo  Gram.  p.  947:  „Amici
regis  intellecta  fraude  hacc  non
matrimonii  voto,  sed  Henriei
odio  flagitari  dicebant,  und  p.
950:  Quac  res  suspecta  Danorum  maioribus
  fuit,  virgines  nondum  ad  nubendi
  aetatem  provectas  fraudulenter
ab  eo  postulari  eredentibue.

2)  Saro  Gram.  p.  946—950.

Arnold.  Lub.  II,  21:
Waldemarus  cum  multo  comitatu  veniens
  in  praesentiam  imperntoris,  cum
magna  iactantia  gloriao  sune  ei  se  exhibuit.


3)  Arnold.  Lub.  l.  c.  W.  quodue
  rex  Danorum  cum  multa  elasse
venit  ad  ostium  Trabenae  et  obsessa
est  civitas  terra  marique.