346  3.  Buch.  3.  Kapitel.

usl.  dem  in  der  Nähe  lagernden  Kaiser  unterhandeln  wollte.  Stade  aber

übergab  er  demselben  darum  doch  noch  nicht,  vielmehr  machte  die
zurückbleibende  Besatzung  alle  Anstalten  zu  einem  ernstlichen  Widerstande.)


Wie  ganz  anders  war  jetzt  Heinrichs  Lage  als  noch  kurz  zuvor!
Von  seinen  Vassallen  verlassen,  vom  Kaiser  aller  seiner  festen  Pesitionen
  beraubt,  rings  von  erbitterten  und  beutegierigen  Feinden
umgeben,  war  ihm  allerdings  kaum  noch  irgend  eine  Rettung  wahrscheinlich.
  Er,  der  einst  mit  gewaltiger  Kraft  und  alles  niederdrückendem
  Ansehen  zwei  Herzogthümern  geboten  hatte,  mußte  jetzt,
um  eine  kleine  Strecke  Weges  zu  durchschreiten,  vom  Kaiser  sicheres
Geleit  erbitten.  Zwischen  Artlenburg  und  Bardewiek  begegnete  ihm
ein  Trupp  kaiserlicher  Krieger:  selbst  ihren  überwundenen  Gegner
grüßten  sie  noch  ehrfurchtsvoll.  Da  mochte  Heinrich  des  jähen  Wechsels
  seines  Glückes  recht  inne  werden  und  unmuthig  der  Zeit  gedenken,
  wo  er  selbst  um  Ertheilung  sicheren  Geleites  angegangen  werden
mußte.“,  Und  jetzt  befand  er  sich  nun  in  Lüneburg,  bemüht,  sich
durch  allerhand  kleine  Mittel  dem  Kaiser  zu  nähern,  sich  bei  ihm
ein  geneigtes  Ohr  zu  schaffen.  Friedrich  aber  ging  auf  keine  Unterhandlungen
  ein.“)  Ihn  durch  Nachgiebigkeit  zu  gewinnen,  befahl
daher  Heinrich,  den  Landgrafen  Ludwig  und  dessen  Bruder,  welche
er  bei  Weißensee  gefangen  genommen  und  bei  des  Kaisers  Annäherung
  nach  dem  festen  Segeberg  hatte  bringen  lassen,  freizulassen.
Aber  auch  hierdurch  gelang  es  ihm  nicht  den  Kaiser  milder  zu  stimmen.!)
  Vielmehr  lud  dieser  ihn  auf  einen  Reichstag  nach  Quedlinburg
  vor,  um  gemeinsam  mit  den  Fürsten  nach  Recht  und  Gerechtigkeit
  über  sein  Schicksal  zu  entscheiden.  Heinrich  erschien;  aber
wegen  eines  Streites,  der  zwischen  ihm  und  dem  neuen  Herzege,
Bernhard,  ausbrach,  kam  es  noch  nicht  zur  Erledigung  des  Hauptgeschäftes.)


⁊.  Nov.  Im  November  1181  aber  versammelten  sich  die  Fürsten  zu  Er-1)

  ibid.  Dux  autem  videns,  se  in
arcto  positum,  rogavit  dominum  imperatorem,
  ut  ipsius  conductu  veniret
Luneburg,  speruns  se  apud  ipsum  alio
Pacto  misericordiam  invenire.

2  ibi  d.  Quibus  resalutatis:  „Non
consueveram,  ait,  in  bis  partibus  alterius
  conductum  accipere,  sed  magis
dare.“

3)  ibid.  Et  ita  veniens  Luneburg,

omnibus  modis  per  internuntios  animum
  imperatoris  lenire  studuit.

4)  ibid.  Captivos  etiam  suos,  Lodovicum
  lantgravium  et  Ilermannum,
fratrem  eius,  palatinum,  de  captivitate
laxavit,  sperans  se  his  beneftciis  gratiam
  aliqnam  mereri:  sed  vihil  inde
consecutus  est.  —  Vgl.  Ann.  S.  Petri
  Erphesfur  d.  p.  25.

5)  Arnold.  Lub.  II,  22:  Impe-