Der  Entscheidungskampf  mit  dem  Kaiser.  351

kommt,  haudelt.  der  sonst  so  energisch  durchgreifende  Friedrich  mit  ust.
einer  Langfamkeit  und  Schonung,  welche  alkervings  in  einem  eigenthümlichen
  Contraste  steht  zu  dem  von  Haß  und  Reid  eingegebenen
Drängen  ver  Fürsten:  während  Heinrich  ver  Löwe  in  Thüringen
und  Westfalen  glänzende  Siege  erficht  und  seine  Gegner  zu  Paaren
treibt,  beschränkt  sich  alles,  was  Friedrich  thut,  darauf,  daß  er  zwei
Monate  in  Sachsen  weilt  und  die  von  den  Heinrich  verlassenden
Vassallen  überlieferten  Burgen  in  Besitz  nimmt;  wirklich  kriegerisch
thätig  aber  ist  er  nicht  und  fast  ohne  einen  Schwertstreich  gethan
m  haben  verläßt  er  Sachsen  wieder.  Aus  allen  diesen  Maßregeln
scheint  wenigstens  so  viel  mit  Sicherheit  hervorzugehen,  daß  Friedrich
  I.  den  Sachsenherzog  nicht  zum  Aeußersten  treiben,  daß  er  sich
immer  noch  die  Möglichkeit  einer  friedlichen  Ausgleichung  offen  halten
wollte.  Denn  allerdings  lag  in  der  völligen  Vernichtung  der  ungeheuren
  welfischen  Macht  eine  so  vollstänvige,  tlefgreifende  Verändexung
der  gesammten  inneren  Verhältnisse  des  Reiches,  daß  man  die  Schen
des  Kaisers  vor  einem  so  wichtigen  Schritte  sehr  wohl  begreift.
Eine  Vernichtung  der  welfischen  Macht  war  für  Friedrich  I.  gleichbedeutend
  mit  der  Aufhebung  der  Grundlage,  auf  der  eigentlich  seine
ganze  Herrschaft,  wenigstens  seine  ganze  Stellung  innerhalb  Denutschlands
  selbst  beruhte.  Als  er  aber  erkannte,  daß  Heinrich  ver  Löwe
in  verhängnißvollem  Trotze  bei  seinen  Plänen  beharrte,  daß  er  in
die  alte  Stellung  zum  Kaiser  nicht  zurückkehren  wollte,  da  blieb  ihm
schließlich  nichts  übrig,  als  mit  Gewalt  durchzugreifen  und  eine
Macht,  die,  so  lange  sie  zu  ihm  stand,  von  dem  größten  Nutzen,
sobald  sie  sich  ihm  entgegensetzte,  von  der  größten  Gefährlichkeit
war,  mit  starker  Hand  zu  vernichten.  So  erfolgte  denn  die  Zertrümmerung
  der  welsischen  Macht,  —  ein  gewaltiger  Erfolg,  den
man  durch  die  Verbannung  des  Herzogs  zu  sichern  bemüht  war.
Der  Schlag,  der  Heinrich  den  Löwen  getroffen  hatte,  war  allerdings
  ein  vernichtender.  Von  zwei  Herzogthümern,  auf  denen  einst
seine  für  unbezwingbar  gehaltene  Macht  gefußt,  von  seinen  reichen
Landen,  die  sich  von  der  Ostsee  bis  gegen  Italien  hin  in  fast  ununterbrochenem
  Zusammenhange  erstreckt  hatten,  war  ihm  nichts  geblieben
  als  das  kleine,  gegen  das  Verlorene  fast  verschwindende
Erbe,  Braunschweig  und  Lüneburg.  Dazu  riß  ihn  die  Verbannung,
in  die  er  sich  begeben  sollte,  ganz  los  von  dem  Boden,  in  dem  er
recht  eigentlich  wurzelte  und  aus  dem  er  auch  am  ersten  neue  Kraft
einzusaugen  hoffen  konnte.  Das  stolze  Gebäude  seines  Glückes  völlig