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356  3.  Buch.  4.  Kapitel.

mußte  er  sich  erst  mit  Waffengewalt  in  ihren  Besitz  setzen:  denn
bei  seinem  Abfalle  hatte  sie  Heinrich  der  Löwe  unter  seine  letzten
Getreuen  vertheilt.  Diese,  den  Holstenfürsten  Marcrad,  Emeco  von
Hain  und  andere  Anhänger  des  verbannten  Welfen  vertrieb  er  jetzt
und  setzte  seine  Getreuen  an  ihre  Stelle.  Viele  der  dem  Welfen
treu  gebliebenen  sahen  sich  jetzt  genöthigt,  vor  der  Rache  des  Siegers
  nach  Dänemark  zu  fliehen:  die  weniger  gefährdeten  fanden  auch
bei  dem  Grafen  Bernhard  von  Ratzeburg  Aufnahme.  So  wuchs
des  Grafen  Avolf  Ansehen  und  Macht  von  Tag  zu  Tage.  Sie  steigerte
  sich  noch,  als  er  mit  dem  gewaltigsten  Fürsten  des  Reiches,
Philipp  von  Cöln,  verwandtschaftlich  verbunden  wurde.  Auf  des
Erzbischofs  Vermittelung  nämlich  vermählte  er  sich  mit  Avelheid,
der  Tochter  des  Grafen  Otto  von  Dassel,  eines  Verwandten  Philipps.)
  Dem  Erzbischof  lag  ja  viel  daran,  das  Ansehen  des  Herzogs
  Bernhard  möglichst  zu  schwächen:  denn  er  selbst  hatte  den
größten  und  besten  Theil  Sachsens  erhalten  und  suchte  sich  daher
auch  über  den  Rest  einen  großen  Einfluß  zu  sichern,  um  so  wenigstens
  der  Macht  nach  das  gesammte  Erbe  des  gestürzten  Welfen
anzutreten.  Deßhalb  leistete  er  auch  dem  Widerstande,  den  die  sächsischen
  Großen  dem  neuen  Herzoge  entgegensetzten,  auf  alle  Weise
Vorschub.

Von  seinem  Bruder,  dem  Markgrafen  Otto  von  Meißen,  begleitet
  erschien  Bernhard  mit  herzoglichem  Pomp  zu  Artlenburg,
wohin  er  die  Großen  zur  erneuten  Belehnung  und  Leistung  des
Lehenseides  beschieden  hatte.  Die  meisten  fanden  sich  auch  ein,  selbst
einst  Heinrich  dem  Löwen  treu  ergebene,  wie  Graf  Bernhard  von
Ratzeburg,  die  Grafen  von  Schwerin,  Dannenberg,  Luckau.  Bloß
Graf  Adolf  blieb  aus  und  zeigte  damit  ganz  offen  seine  Gesinnungen
gegen  Bernhard.)  Dieser  aber  fuhr  fort,  durch  eine  Menge  unbesonnener
  Anordnungen,  welche  den  in  der  nationalen  Tradition  althergebrachten
  Zustand  gefährdeten,  nicht  bloß  die  Großen,  sondern
auch  das  niedere  Volk,  namentlich  die  Städte,  gegen  sich  aufzuregen.

1)  Arnold.  Lub.  1.  c.  Circa  dies
illos  comes  A  duxit  uxorem  flliam
Comitis  Othonis  de  Dasle,  a  gente  Philippi
  Col.  erchiepiscopi,  ouius  pro-Pinqus
  erat,  per  quem  multo
etiam  Pprae  valebat.  —  —  ejeeit
omnes  inimicos  suos  de  terra,  M.
videlicet  praefectum  Holsatorum  —  —
et  Hemeconem  —  —  et  alios  plures,

duorum  plures  transeuntes  ad  regem
Dacine  peregrinati  sunt  apud  ipsum.
Alü  vero  apud  oomitem  de  Raceburg
tempus  exilii  sui  peregerunt.

2)  Arnold.  Lub.  Lc.  —  —
exspectabatur  etiam  comes  Adollus  et
non  venit.  Unde  eum  dur  suspectum
habere  cocpit  et  exinde  oconsiones
discordiae  inter  eos  exortas  sunt.