Die  Zeit  der  Verbaunung.  357

Oestlich  von  Artlenburg,  am  rechten  Ufer  der  Elbe,  begann  er  Lauen=  uss-#.
burg  zu  erbauen,  um  in  ihm  eine  Nebenbuhlerin  Lübecks  groß  zu
ziehen:  aber  böses  Blut  machte  es,  daß  er  dazu  erst  das  gegenüberliegende
  Kastell  abbrach  und  die  Steine  davon  zu  seinem  neuen  Baue
verwenden  ließ.)  Gleich  darauf  gerieth  er  mit  den  Lübeckern  in  einen
Conflict,  als  er  zur  Hebung  seiner  neuen  Pflanzung  die  bisher  zu
Artlenburg  befindliche  Fähre  nach  Lauenburg  verlegte.  Dadurch
wurde  der  Handelsverkehr  Lübecks  wesentlich  erschwert.  Auf  Grund
ihrer  ausdrücklich  vom  Kaiser  bestätigten  Privilegien  wandten  sich
deshalb  die  Bürger  an  Friedrich  I.  und  forderten  die  Aufhebung
dieser  Maßregel  Bernhards.  Bald  erging  denn  auch  ein  Gebot  des
Kaisers,  welches  den  Herzog  anhielt,  die  Fähre  wieder  an  ihren
alten.  Ort  zurückzuverlegen..)  Zu  lautem  Unwillen  aber  steigerte
Bernhard  die  so  schon  gegen  ihn  wachgerufene  Misstimmung,  als
er,  Sitte  und  Recht  für  nichts  achtend,  neue,  bisher  unerhörte,
schwere  Steuern  und  Abgaben  auferlegte.  Denn  für  nichts  war
der  Charakter  des  sächsischen  Volkes  empfindlicher,  und  die  stolze
Freiheitsliebe,  welche  den  Sachsen  einst  Kraft  gegeben  hatte  zu  dreißigjährigem
  Ringen  gegen  Karl  den  Großen,  war  noch  in  alter  Kraft
rege.  Nur  zu  bald  sollte  es  Bernhard  erfahren,  daß  sich  der  Sachse
von  keinem  beherrschen  ließ,  der  diese  Seite  seines  innersten  Wesens
misachtete  und  mishandelte,  und  vor  allen  er  selbst  war  es,  der
seine  Herrschaft  gleich  im  Keime  unmöglich  machte.  Das  Land  seufzte
bald  unter  einem  unerträglichen  Drucke.  Mit  Wehmuth  mochten
schon  manche  des  verbannten  Herzogs  gedenken,  der  zwar  die  Kräfte
des  Landes  angespannt,  dafür  aber  auch  die  Blüthe  und  den  Wohlstand
  desselben  gehoben  hatte.)

Unter  diesen  Umständen  war  es  nicht  anders  möglich,  als  daß
Sachsen  bald  von  neuem  Waffengetöse  widerhallte;  denn  bei  der
immer  feindlicheren  Spannung  zwischen  Herzog  Bernhard  und  Avdolf
von  Schauenburg  mußte  es  früher  oder  später  zum  Kampfe  kommen.

3)  Arnold.  Lub.  l.  c.

1)  ibid.  Dux  autem  B.  in  ibso
tempore  coehit  aediflcare  Lawenburg
super  litus  Albiac  ad  orientalem  plagam
  Ertenebaurg.  Et  desolato  hoe
castro  murum,  quo  eingebatur.  destruxit
  et  ex  lopiaibus  eins  castrum
sunm  novum  firmav

2)  ibid.  Unde  —  imperator,
  ut  apud  Erteneburg  transirent
sicut  prius.

—  de
allerdings  bei  seiner  Vorliebe  für  seinen
Stammherzog  mauches  in  einem  diesem
*!  günsüzen  dir  lichte,  sehen  mag  —

on  erat  rex  in  lernel,

sed  unusquisque,  t  rectum  in  oculis
  auis  vidobatur,  facicbat.  Er  sagt
bezeichnend  von  Bernhard:  —  minimum
  digitum  suum  grassiorem  dorso
patris  laciens,  aggravarit  iugum  eorum.