358  3.  Buch.  4.  Kapitel.

Die  Veranlassung  ließ  denn  auch  nicht  lange  auf  sich  warten.  Erzbischof
  Siegfried  von  Bremen,  Bernhards  Bruder,  kam  mit  Adolf
in  Streit  über  die  Grafschaft  Dithmarschen,  deren  er  sich  zu  bemächtigen
  suchte,  Graf  Avolf  aber  behauptete  ihren  Besitz  mit  der  Gewalt
  der  Waffen.)  Dem  Beispiele  seines  Bruders  folgend  wollte
Herzog  Bernhard  sich  der  Landschaft  Ratekow  nebst  der  Stadt  Todeslo“
bemächtigen,  dem  Grafen  Adolf  auch  die  vom  Kaiser  zu  Lehen  erhaltene
  Hälfte  der  Lübecker  Gefälle  entziehen.  Ebenso  bedrohte  er
Guncelin  von  Schwerin  und  Bernhard  von  Ratzeburg  im  Besitze
ihrer  reichen  Beneficien.)  Diese  aber  setzten  ihm  Gewalt  entgegen
und  mit  dem  Grafen  Adolf  von  Schauenburg  verbündet  zogen  sie
vor  Bernhards  neu  erbaute  Festung  Lauenburg:  in  wenigen  Tagen
gelang  es  ihnen,  dieselbe  zu  zerstren.  Dem  Herzoge,  der,  im  ganzen
Lande  misliebig,  nirgends  Unterstützung  fand,  blieb  nichts  übrig  als
Sachsen  zu  verlassen  und  sich  klagend  an  den  Kaiser  zu  wenden.
Nun  hatten  die  drei  Verbündeten  freie  Hand;  dem  geflohenen  Herzoge
  sollten  nach  ihrem  Willen  bald  alle  seine  Anhänger  folgen.?)
Zunächst  wandten  sie  sich  gegen  den  Slavenfürsten  Niclot,  der  für
Bernhard  die  Waffen  ergriffen  hatte.  Durch  nächtlichen  Ueberfall
bemächtigten  sie  sich  seiner  Burg  Jlow,  vertrieben  daraus  seine  Mutter,
und  nahmen  die  ganze  Besatzung  gefangen:  schließlich  gaben  sie  die
Burg  den  Flammen  preis.  Niclot  selbst  gelang  es  zu  entkommen;
er  floh  zuerst  zu  Bernhard  und  fand  dann  bei  dessen  Bruder,  dem
Markgrafen  Otto,  in  Havelberg  Aufnahme.  Dadurch  entspann  sich
in  den  slavischen  Gegenden  ein  wilder,  verwüstender  Kampf.  An
Stelle  des  vertriebenen  Niclot  nämlich  setzten  die  aufrührerischen
Sachsen  den  Borwin  ein  (auch  Heinrich  geheißen),  welcher  des
Löwen  natürliche  Tochter  Mathilde  zur  Frau  hatte),  und  übergaben
ihm  die  festen  Plätze  Rostock  und  Mecklenburg.  Während  nun  dieser,

1)  Arnold.  Lub.  III,  1  extr.:
Frater  quoque  eius  Sifridus,  Bremensis

archiepiscohusco,  metiam  Thetmarchiae

Adollo  comiti  adimero  conatus  est
ot  ad  fratrem  ducem  transferre.  Qunm
Adolfus  viribus  et  armwis,  invito  episoopo,
  obtinuit  et  cam  aui  iuris  esee
asfirmavit

2)  ola.  Lub.  III,  4.

3)  i  bid.  Unde  commoti  conglomerati
  in  unum  urbem  ipeius  Lawenburg
  expugnare  aggressi  sunt.  Cumdue
  adversus  eam  ordinsssent  obsidionem
  et  machinas  secissent,  post

Paucos  dies  eam  solum  dirnerunt.
ux  vero  —  eis  talionem  reddere  non
valens  imperatorem  odiit  et  hoc  in
praesentia  cius  conqucstus  est.
)Anu.  Stadens.  a.  1164  (.
3.15):  Hie  est  pater  Borewini,  cui
dux  postea  fliam  suam  naturalem  in
matrimonio  copulavit,  qduse  ei  gepnuit
Heinricum  et  Nicolaum.  —  Arnold.
e.  Borwinus  vero,  flius  Pribisloi,
  qui  Hliam  Henrici  ducis  habebat,
  Mechtildam  dictam,  obtinuit  castra
Rostok  et  Meklenburg.