Die  Zeit  der  Verbannung.  359

unterstützt  von  dem  Pommernherzog  Bogislav,  seiner  Gegner  Ge=  us.
biet  durch  seeräuberische  Einfälle  verwüstete,  that  Niclot  mit  Hülfe
des  Rugierfürsten  Germar  dem  Lande  der  sachsenfreundlichen  Circipanen,
  namentlich  in  der  Gegend  von  Triebsee,  schweren  Schaden.)
Aber  nicht  bloß  hier  in  Sachsen  hatte  der  Sturz  und  die  Verbannung
  Heinrichs  des  Löwen  einen  völlig  neuen  Zustand  der  Dinge
herbeigeführt,  auch  in  dem  benachbarten  Dänemark  hatten  sich  die
Verhältnisse  wesentlich  geändert  und  zwar  in  einer  dem  verbannten
Herzoge  manche  Aussichten  ersffnenden  Weise.  Waldemar  I.,  welcher
seinen  langjährigen  Verbündeten  im  Entscheidungskampfe  verlassen
und  durch  den  engsten  Anschluß  an  den  Kaiser  neue  Vortheile  zu
gewinnen  gesucht  hatte,  war  noch  in  demselben  Jahre  (1182)  gestorben.
  Ein  eigenthümliches  Gemisch  von  Größe  und  Kleinheit  in  seinem
  Charakter  vereinigend,  hatte  er  mit  Mitteln,  welche  balr  der
einen,  bald  der  anderen  Seite  seines  Wesens  entsprachen,  allerdings
Großes  geleistet.  Er  hatte  das  seit  Jahrzehnten  von  den  verderblichsten
  Thronstreitigkeiten  zerrissene  und  in  seiner  Kraft  gänzlich
gebrochene  Dänemark  im  Innern  wieder  beruhigt  und  geeinigt,  darauf
  bald  durch  kriegerische  Tapferkeit,  bald  durch  schlaue  Benutzung
kleiner,  oft  nicht  ganz  redlicher  Vortheile  ihm  auch  nach  außen  hin
eine  ganz  neue  Stellung  geschaffen.  Zwar  hatte  er  sich  noch  der
in  den  Zeiten  gäyzlicher  Zerrüttung  Dänemarks  geltend  gemachten
Oberhoheit  des  deutschen  Reiches  bengen  und  Friedrich  l.  persönlich
huldigen  müssen.  Aber  seitdem  war  das  Land  immer  mehr  erstarkt:
während  es  sich  Anfangs  der  Slaven  kaum  erwehrt  hatte,  war  es
jetzt  mit  dem  günstigsten  Erfolge  erobernd  gegen  sie  aufgetreten,  und
seitdem  nun  gar  der  gefährlichste  Nebenbuhler  auf  diesem  Gebiete,
Heinrich  der  Löwe,  beseitigt  war,  hatte  Dänemark  die  gegründetste
Aussicht  auf  eine  große  Machtentfaltung  im  Norden.  Diese  Stellung
  zur  Geltung  zu  bringen  war  die  Aufgabe,  welche  der  Nachfolger
  Waldemars  I.,  sein  Sohn  Knud  VI.,  zu  lösen  überkam.
Knud  VI.  war  mit  Heinrichs  des  Löwen  Tochter  Gertrud  vermählt
und  diesem  daher  näher  verbunden.  Gleich  bei  seinem  Regierungsantritte
  zeigte  er  Stärke  und  Festigkeit,  und  daß  er  nicht  gesonnen
war,  irgend  welche  die  Stellung  seines  Reiches  beeinträchtigende
Ansprüche  gelten  zu  lassen.  Friedrich  I.  forderte,  eingedenk  des  früheren
  Erfolges,  auch  von  Knud  VI.  den  Huldigungseid:  derselbe

1)  Arnold.  Lub.  III,  4.