Die  Zeit  der  Verbannung.  361

nichts  Anderes  gerichtet,  als  wie  er  sich  zu  dem  Glanze  seiner  vor-  1/81.
maligen  Stellung  wieder  aufzuschwingen  vermöchte.  Vergeblich  machte

er  noch  einmal  ven  Versuch,  der  Gnade  des  Kaisers  theilhaftig  zu
werden.  Um  Pfingsten  1184  feierte  Friedrich  I.  zu  Mainz  jenes  20.  Mal.
wunderbar  großartige  Fest  der  Schwertleite  seiner  Söhne,  von  dem
Dichter  wie  Geschichtschreiber  jener  Zeit  nicht  genug  singen  und
sagen  können.  Aus  allen  Gauen  waren  Fürsten,  Ritter  und  Kriegsmannen
  zusammengeströmt  und  füllten  weithin  den  lieblichen  Rheingau.
  Weit  und  breit  herrschte  Jubel  und  Freude  und  jeder  that
das  Seinige,  das  einzige  Fest  zu  verherrlichen.  Für  Friedrich  selbst
bezeichneten  die  Pfingsttage  zu  Mainz  den  Höhepunkt  seiner  Machtentfaltung
  in  Deutschland:  nach  jahrelangem  Ringen  konnte  er  der
Dauer  seines  Werkes  sowie  der  Zukunft  seiner  Familie  in  Ruhe
entgegensehen,  da  er  sich  in  zwei  rüstig  blühenden  Söhnen  verjüngt
sah.  Jene  Tage  der  Freude  suchte  sich  denn  auch  Heinrich  der  Löwe
zu  Nutze  zu  machen:  gerade  damals  wandte  er  sich  an  Friedrich  mit
der  Bitte  um  Erlaß  des  Exils.  Der  Kaiser  aber  konnte  das  einmal
verhängte  Urtheil  nicht  zurücknehmen,  ohne  sich  den  wohlbegründeten
Mismuth  der  Fürsten  zuzuziehen;  auch  hatten  ihn  die  Verwickelungen
mit  Dänemark,  die  etwaigen  Wiederherstellungsgelüsten  Heinrichs
des  Löwen  allerdings  sehr  günstig  waren,  gegen  den  Verbannten
nur  argwöhnisch  und  vorsichtig  gestimmt.  So  fand  denn  Heinrichs
Bitte  kein  Gehör.'))  Auf  andere  Weise  als  durch  kaiserliche  Gnade
das  Verlorenc  wiederzuerlangen,  bot  sich  dem  Welfen  keine  Aussicht.
Selbst  als  der  gefährlichste  seiner  Gegner,  der  Erzbischof  Philipp
von  Cöln,  eben  auf  jenem  Reichstage  zu  Mainz  mit  dem  Kaiser
offen  zerfiel  und  so  die  schon  seit  längerer  Zeit  zwischen  Beiden  obwaltende
  Spannung  klar  zu  Tage  trat,  war  aus  den  Zwistigkeiten,
die  im  Reiche  selbst  bevorzustehen  schienen,  für  Heinrich  nichts  zu
gewinnen.  Selbst  eine  persönliche  Zusammenkunft  mit  diesem  Gegner,
  selbst  das  aufrichtigste  Bemühen  Heinrichs  II.,  ihn  für  seinen
Schwiegersohn  zu  gewinnen,  blieb  ganz  fruchtlos.  Und  wie  die
Dinge  einmal  lagen,  konnte  es  nicht  anders  kommen.

Diese  wichtigen  Unterhandlungen  gingen  in  London  selbst  vor
sich.  Gegen  Ende  des  Juni  1184  nämlich  kam  der  Erzbischof  Philipp
  von  Cöln  selbst  nach  England.  Ueber  dem  eigentlichen  Zweck
dieser  Reise  schwebt  ein  gewisses  Dunkel;  jedenfalls  aber  scheint  die

2

un.

1)  Bloß  die  Ann.  Pegav.  p.  255  rieus  nullam  impetravit  grageben
  davon  die  Notiz:  lbi  dur  Hen-  tiam.