362  3.  Buch.  1.  Kapitel.

Annahme,  daß  der  Erzbischof  aus  eigenem  Antriebe  und  direkt  in
der  Absicht,  sich  mit  Heinrich  dem  Löwen  nicht  nur  auszusöhnen,
sondern  sogar  gegen  den  Kaiser  zu  verbünden,  nach  London  gekommen
  sei,  jeder  genügenden  Begründung  zu  entbehren.  Allerdings
hatte  der  Erzbischof,  seitdem  er  durch  den  Sturz  seines  mächtigen
Gegners  Westfalen  erhalten  hatte  und  dadurch  der  mächtigste  Fürst
des  Reiches  geworden  war,  in  seiner  Politik  eine  eigenthümliche
Schwenkung  gemacht.  Durch  die  Zerschlagung  der  welfischen  Macht
hatte  der  Kaiser  in  Deutschland  eine  Stellung  eingenommen,  welche
selbst  die  mächtigsten  Reichsfürsten  für  ihre  Sicherheit  einigermaßen
fürchten  lassen  mußte.  Eine  solche  Besorgniß  scheint  sich  denn  auch
Philipps  bemächtigt  zu  haben.  Denn  seitdem  er  von  der  welfischen
Bente  den  Löwenantheil  davongetragen  hatte,  machte  er,  auf  diesen
neuen  Länderzuwachs  gestützt,  dem  Kaiser  entschieden  Opposition.
Er  stand  in  diesem  Streben  keineswegs  allein:  denn  auf  den  Sachsen
  benachbarten  Fürsten  hatte,  so  lange  Heinrichs  des  Löwen  Macht
bestand,  ein  schwerer  Druck  gelastet;  mit  seinem  Sturze  waren  sie
davon  befreit,  aber  keineswegs  gesonnen,  ihre  neue  Stellung  nicht
in  ähnlicher  Weise  zu  gebrauchen  wie  einst  Heinrich.  Zuerst  zeigte
sich  dies  an  dem  Cölner  Erzbischof,  welcher  mit  Friedrich  bald  in
ernstliche  Differenzen  gerieth.  Der  bei  den  Mainzer  Festlichkeiten
vorgekommene  Streit  über  den  Ehrenplatz  neben  dem  Kaiser,  welchen
dieser  gegen  den  Cölmer  und  zu  Gunsten  seines  Gegners,  des  Abtes
von  Fulda,  entschied,  gab  denselben  den  lebhaftesten  Ausdruck.  Die
Verstimmung  steigerte  sich  so,  daß  Philipp  sogar  begann,  sich  zu
einem  msglichen  Kampfe  mit  dem  Kaiser  vorzubereiten.  Aber  alles
dies  konnte  ihn  unmöglich  bestimmen,  sich  mit  Heinrich  dem  Löwen,
seinem  gefährlichsten  Gegner,  dessen  Sturz  zum  großen  Theile  sein
Werk  war,  auszusöhnen,  geschweige  denn  in  ihm  einen  Helfer  und
.Bundesgenossen  gegen  den  Kaiser  zu  suchen:  hatte  er  voch  das  beste
Stück  des  Heinrich  entrissenen  Landes  inne  und  war  gerade  durch
jenes  Wiederauftreten  im  Besitze  desselben  am  Ernstlichsten  gefährdet.
Danach  scheint  man  mit  Sicherheit  annehmen  zu  können,  daß  Philipp
  weder  auf  eine  Einladung  Heinrichs  II.,  noch  in  der  Absicht
sich  mit  dem  Welfen  auszusöhnen  nach  England  gekommen  ist,  sonals
  Gesandter  des  Kaisers.)  Vielleicht  stand  diese  Sendung  im

u##  die  Keitich-  Untersuchung  Colonieneis.  Diss.  inang.  Berolin.
von  H.  Peter,  ta  ad  historiam  1861.
Philippi  de  Wi  ar#hiepiscopi