Die  Zeit  der  Verbannung.  365

rer  aber  mit  einem  glänzenden  Siege  der  Dänen  und  einer  volligen
Versprengung  der  pommerschen  Flotte  endete.  Borwin  wurde  vom
Rugierfürsten  Jaromar  gefangen  genommen  und  an  Kuud  ausgeliefert.
  Freilich  fiel  bald  darauf  des  Jaromar  Verbündeter,  Nielot,
in  die  Hände  seines  Feindes,  des  Pommernherzogs  Bogislav.  Längere
  Zeit  wurden  beide  in  Haft  gehalten;  schließlich  aber  vermittelte
Knud  VI.  den  Frieven  und  zwar  gegen  ihm  große  Vortheile  gewährende
  Bedingungen.  Knud  entließ  den  Borwin,  Bogislav  den
Niclot  der  Haft;  beide  erhielten  ihr  Gebiet  mit  schärfer  bestimmten
Grenzen  zurück,  mußten  aber  den  Dänenkönig  als  ihren  Lehnsherrn
anerkennen  und  ihm  als  solchen  hulvigen.))  Es  war  dies  ein  Epoche
machender  Fortschritt  in  der  Geschichte  Dänemarks:  er  fand  auch
äußerlich  seine  Bezeichnung,  indem  um  diese  Zeit  Knud  VI.  zu  seinem
  Titel  als  König  der  Dänen  noch  den  eines  Königs  der  Slaven
annahm.')  Es  drückte  sich  darin  zugleich  der  gänzliche  Umschwung
der  Dinge  aus,  der  durch  den  Sturz  Heinrichs  des  Löwen  herbeigeführt
  war.  Seitdem  er,  der  Hüter  der  deutschen  Grenzen  gegen
die  Slaven  nicht  bloß,  sondern  zugleich  der  Bannerträger  der  jene
Gegenden  Schritt  für  Schritt  sich  erobernden  deutschen  Cultur  und
Sitte,  nicht  mehr  die  unruhigen  Slaven  in  Schach  hielt  und  zugleich
den  Eroberungsgelüsten  der  Dänen  energisch  entgegentrat,  seitdem
hatte  auch  das  frische  Vordringen  der  Deutschen  in  jenen  Gegenden
ein  Ende  und  der  Ruhm  der  slavischen  Eroberungen  ging  zugleich
mit  ihren  Vortheilen  auf  die  bisher  so  misachteten  Dänen  über.
Denn  diese  erfolgreiche  Einmischung  in  die  slavischen  Angelegenheiten
  bestärkte  Knud  VI.  nur  noch  in  der  Absicht,  den  bereits
von  seinem  Vater  mit  Glück  aufgenommenen  Plan  durchzuführen
und,  den  Deutschen  zuvorkommend,  die  Slaven  dem  dänischen  Throne
zu  unterwerfen.  Der  Zeitpunkt  war  dazu  sehr  günstig  gewählt:
Heinrich  der  Löwe  war  nicht  mehr  der  Schrecken  der  Slaven;
Adolf  von  Schauenburg,  Guncelin  von  Schwerin,  Bernhard  von
Ratzeburg,  einst  seine  kühnsten  Vorkämpfer  gegen  dieselben,  lagen  mit
ihrem  neuen  Herzoge,  einem  unsächsischen  Schwächlinge,  in  Fehde
und  machten  Sachsen  zum  Schauplatz  wilder  innerer  Kämpfe.  Nur
mit  Mühe  gelang  es  endlich  dem  Kaiser  einen  leidlichen  Frieden  zu

1)  Arnold.  Lub.  III,  4:  Sed  rent  ut  obsides,  qucs  habere  voluisset,
eum  diu  in  oeustodia  Lorrarentut,  tan-  arent.

dem  soluti  sunt  en  conditione,  ut  a  2)  Sao  Gron,  El*i  Dahlmann,
rege  Danerum  terram  suam  suscipe-  Dän.  Gesch.  I,  p.

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