1185.

368  3.  Buch.  5.  Kapitel.

mathildischen  Güter,  die  Erbschaft  der  Bischsfe,  die  zwiespältige
Wahl  in  Trier  und  andere  mehr  untergeordnete  Streitpunkte  zeigten
Friedrich  I.  und  Urban  III.  noch  einmal  als  die  Repräsentanten  der
äußersten  Gegensätze  zwischen  Kirche  und  Staat.  Die  Misstimmung
zwischen  den  Häuptern  setzte  sich  natürlich  weiter  nach  unten  hin
fort:  das  Parteiergreifen  der  Fürsten  für  das  eine  oder  das  andere
der  beiden  Häupter  der  Christenheit  brachte  auch  in  Deutschland  eine
jähe  Gährung  hervor  und  veranlaßte  dem  Kaiser  ernstliche  Besorgniß.
  Namentlich  war  es  wieder  der  Erzbischof  von  Cöln,  mit  dem
ein  bedenklicher  Streit  ausbrach.  Er  entzog  sich  den  an  ihn  ergangenen
  Vorladungen  und  erklärte  sich  dann,  als  er  endlich  mit  Friedrich
  zusammenkam,  offen  für  einen  Anhänger  des  Papstes.  Alles
hatte  den  Anschein,  als  sollte  es  zwischen  dem  mächtigsten  Fürsten
des  Reiches  und  dem  Kaiser  zu  einem  ähnlichen  Kampfe  kommen,  wie
er  eben  Heinrich  den  Löwen  gestürzt.  Merkwürdiger  Weise  aber
blieb  der  Welfenherzog  dem  Bunde,  welcher  sich  um  Philipp  von
Cöln  zum  Widerstande  gegen  den  Kaiser  sammelte,  ganz  fremd:  er
kannte  wöhl  die  Gesinnungen  seines  alten  erbitterten  Gegners  zu
gut,  als  daß  er  von  ihm  eine  Wiederherstellung  hätte  hoffen  können.

Auch  von  anderer  Seite  her  fand  Heinrich  nicht  die  Unterstützung,
  welche  ihn  zu  größeren  Dingen  hätte  ermuthigen  können.
Allerdings  war  kurz  vor  seiner  Rückkehr  einer  seiner  mächtigsten
Gegner  gestorben,  der  Erzbischof  Siegfried  von  Bremen;!)  auch  wurde
zu  seinem  Nachfolger  ein  Mann  gewählt,  von  dem  der  Herzog  wohl
eine  günstige  Aufnahme  und  Förderung  in  seinen  Plänen  hätte  erwarten
  können.  Man  erhob  nämlich  auf  den  erzbischöflichen  Stuhl
Hartwig,  welcher  früher  Heinrichs  des  Löwen  Kaplan  gewesen  und
durch  dessen  Begünstigung  als  Domherr  nach  Bremen  gekommen
war.  Jener  Verdienste  des  Herzogs  um  ihn  gedachte  Hartwig  aber
jetzt  nicht  mehr,  sondern,  ganz  Kirchenfürst,  lag  ihm  nur  an  der
Hebung  und  Förderung  seiner  Kirche.  Er  war  ein  energischer,  in
den  weltlichen  Geschäften  wohlbewanderter  Mann,  wie  er  dies  namentlich
  bei  der  Förderung  der  äußeren  Angelegenheiten  seines  Erzbisthums
  zu  beweisen  Gelegenheit  hatte.  Seiner  ausdauernden  Bemühung
  gelang  es  denn  auch,  den  Grafen  Adolf  von  Schauenburg
zur  Herausgabe  Dithmarschens  zu  bewegen,  das  er  dem  vorigen
Erzbischof  mit  Gewalt  der  Waffen  entrissen  hatte.  Jett  einigten  sie

1)  24.  October  1184.  —  Bgl.  Arnold.  Lub.  III,  13.