Die  letzten  Beziehungen  zu  Friedrich  I.  2c.  369

sich  dahin,  daß  Graf  Adolf  das  unrechtmäßig  erworbene  Besitzthum
herausgab,  wogegen  ihm  der  Erzbischof  eine  jährliche  Lieferung  von
zweihundert  Scheffeln  Hafer  zusicherte!)  Da  Hartwig  II.  so  wirklich
  auf  eine  Hebung  seiner  Kirche  zu  neuer  Machtentfaltung  bevacht
war,  so  mußte  er  einer  Erneuerung  der  Macht  Heinrichs  des  Löwen
entschieden  feindlich  gegenüber  stehen:  denn  jenes  Emporkommen
mußte  seinen  Plänen  stets  hinderlich  werden.

Unter  diesen  Umständen  konnte  Heinrich  der  Löwe  sein  Augenmert
  nur  noch  auf  seinen  Schwiegersohn,  Knud  VI.  von  Dänemark,
gerichtet  haben.  Schon  seit  dem  Antritte  der  Regierung  mit  dem
Kaiser  gespannt,  trat  dieser  immer  offener  mit  seinen  Plänen  hervor:
  diese  gingen  namentlich  auf  eine  völlige  Emancipation  Dänemarks
  von  der  Oberhoheit,  welche  das  deutsche  Reich  bisher  darüber
beansprucht  und  auch  durchzuführen  gewußt  hatte.  Alles,  was  irgend
  dazu  führen  konnte,  suchte  er  zu  vermeiden.  So  hatte  er  schon
früher  ganz  unverhohlen  seine  Misstimmung  ausgesprochen  über  die
von  Waldemar  I.  abgeschlossene  Verlobung  seiner  Schwester  mit  des
Kaisers  Sohn.  Nur  auf  wiederholtes  Dringen  Friedrichs  khatte  er
die  Braut  endlich  nach  Deutschland  gesandt,  aber  nur  den  kleinsten
Theil  der  ausbedungenen  Mitgist  bezahlt.  Der  Rest  stand  noch
aus:  aber  Kund  machte  durchaus  keine  Anstalten,  seinen  Verpflichtungen
  nachzukommen,  zeigte  es  vielmehr  immer  unverhohlener,  daß
es  seine  Absicht  sei,  die  Summe  nicht  zu  bezahlen  und  auf  diese  Art
womöglich  den  ganzen  Vertrag  rückgängig  zu  machen.  Da  so  die
Spannung  mit  Knud  täglich  wuchs,  war  es  ganz  erklärlich,  daß
Friedrich  in  dieser  Weigerung  des  Dänenkönigs  nichts  sah  als  den

Versuch,  zu  Gunsten  Heinrichs  des  Löwen  auf  ihn  einen  Druck  auszmüben,

  daß  er  daher  auch  diesen  mit  steigendem  Mistrauen  beobachtete.

Heinrich  saß  inzwischen  ruhig  auf  seiner  Burg  zu  Braunschweig.
Die  Unmöglichkeit  einsehend,  jetzt  mit  Erfolg  zu  den  Waffen  zu
greifen,  verschob  er  etwaige  kühne  Entwürfe  zu  einer  Wiederherstellung
  auf  einen  geeigneteren  Zeitpunkt.  Auch  hatte  er  wohl  noch
immer  nicht  die  Hoffnung  aufgegeben,  daß  eine  Aussöhnung  mit  dem
Kaiser  zu  Stande  kommen  und  dieser  selbst  ihn  in  seine  früheren
1)  Arnold.  Lub.  l.  c.  Cometiam  eandem  duidem  cometiam  resignavit,
etiam  Thetmarchiae,  quam  Adolfus  sed  ab  episcopo  ducentos  modios  avecomos
  vi  obtinuerat,  instanter  requil-  nae  Stadensis  mensurac  in  benescio

sivit.  Qui  animadvertens  in  heo  pos-  tabili  aerepit.
sessione  rausem  suam  non  satis  iustam,

Prug,  Heinrich  der  Löwe.  24

W.