1187.

372  3.  Buch.  5.  Kapieel.

Hartwig  in  solche  Noth,  daß  er  dieselben  auf  die  gesammten  Einkünfte
  des  erzbischöflichen  Stuhles  in  den  nächsten  drei  Jahren  anweisen
  mußte.)  Er  selbst  mußte  so  lange  seinen  Unterhalt  von  den
geringen  Einnahmen  bestreiten,  welche  ihm  aus  den  Gebühren  für
die  Weihe  von  Kirchen  und  Bischöfen  zuflossen.  Mit  um  so  grsßerer
  Rücksichtslosigkeit  und  um  so  grausamerer  Härte  aber  suchte  er
nun  von  den  Dithmarsen  vie  ihnen  auferlegte  Contribution  zu  erpressen.
  Diese  aber  zogen  es  vor,  die  Herrschaft  eines  so  grausamen
und  geldgierigen  Oberherrn  gegen  ein  leichteres  Joch  zu  vertauschen,
und  indem  sie  sich  von  Hartwig  lossagten,  begaben  sie  sich  in  den
Schutz  und  die  Oberhoheit  des  benachbarten  Bischofs  Waldemar  von
Schleswig,  der  damals  zugleich  dem  Herzogthume  gleiches  Namens
vorstand.  Dieser  freute  sich  natürlich  einer  so  durchaus  friedlichen
Erwerbung  und  wußte  sie  sich  durch  eine  milde  Behandlung  zu
sichern.)  Auf  diese  Art  gingen  den  Deutschen  nicht  sowohl  durch
die  steigende  Kraft  und  Eroberungslust  Dänemarks,  als  auch  durch
ihre  eigene  Zerfahrenheit  und  Erschlaffung  die  wichtigsten  Gebiete
verloren.  Man  merkte  es  nur  allzu  sehr,  daß  nicht  mehr  der  gewaltige
  Heinrich  der  Löwe  Deutschlands  Nord=  und  Ostgränze  hütete.
  Das  einst  so  kräftig  sich  entwickelnde  und  trotz  aller  inneren
Gährung  doch  blühende  Sachsenland  befand  sich  im  Zustande  der
unerquicklichsten  Verwirrung,  von  allen  Schöpfungen  Heinrichs  des
Löwen  schien  kaum  eine  oder  vie  andere  seinen  Sturz  überdauern  zu
sollen.  Bloß  eine,  aber  auch  seine  Lieblingsschöpfung,  schritt  rüstig
auf  der  einmal  durch  ihn  betretenen  Bahn  vorwärts,  das  immer
rascher  und  sicherer  einer  hohen  Blüthe  entgegengehende  Lübeck.
Schon  war  diese  Stadt  aus  ganz  unscheinbaren  Anfängen  nicht
bloß  zu  bedeutendem  Reichthume  und  zu  einem  sehr  wohl  begründeten
  Ansehen  gekommen,  so  daß  sie  die  ihr  von  Heinrich  verliehenen
Privilegien,  auf  deren  Erhaltung  und  Erweiterung  ihre  ganze  Zukunft
  beruhte,  gegen  jeden  ungerechtfertigten  Anspruch  oder  gewalt-1)

  Arnold.  Lub.  III,  22:  Nam  eiti  tucrant,  persolvere  non  valentes,

cum  Adolfus  comes  de  Sch.  etc.  stipendium
  militiae,  quod  eis  archiepiscopus
  promiserat,  requirerent,  ille
tam  co,  quam  illis  promiserat,  tam
alia  multa  inutiliter  ab  oo  consumta
reddere  non  valens  necessitate  compulsus,
  ministerialium  recituas  episoe
pales  ber.  triennium  abiura

2)  Arnold  Lub.  III,  *  Thetmarchi
  autem  becuniam,  quam  polliud

  Waldemarum  Slesvicensem  ebiscopum
  se  contulerunt.  Sicque  datis
obsidibus  ex  illa  die  naditi  sunt  regno
Danorum  servieruntque  etro  in
Sleavig,  ut  servierant  in  Brema.  Demembrataque
  est  ecclesia  Bromensis
per  negligentiam  Hartviei,  qui  propter
segnitiem  oves  perditas  requirere  non
valebat.