Die  letzten  Beziehungen  zu  Friedrich  I.  2c.  375

fliegender  Eile  gelangte  die  Kunde  von  diesem  schweren  Verluste
nach  Europa.  Der  Schmerz  und  die  Bestürzung  waren  tief  und
allgemein.)

Gerade  um  diese  Zeit  starb  Urban  11I.:  der  Tod  entwand  seiner
  Hand  den  Baunstrahl,  den  er  auf  den  Kaiser  zu  schleudern  im
Begriffe  gewesen  war.  Gregor  VIII.,  den  man  als  seinen  Nachfolger
  auf  St.  Peters  Stuhl  erhob,  war  ein  strenger,  sittenreiner,  ascetischer
  Mann,  für  seine  Würde  mit  Feuereifer  erfüllt.  Die  Wiederbefreiung
  des  heiligen  Grabes  war  die  größte  Aufgabe,  die  er  sich  nun
zu  stellen  hatte.  Mit  begeisterten  Worten  ermahnte  er  die  Christenheit,
  die  Waffen  zu  ergreifen  und  die  heilige  Stadt  den  Händen
der  Ungläubigen  zu  entreißen.))  Auch  fand  seine  Mahnung  bereitwilliges
  Gehör.  Hoch  und  Niedrig  strömte  in  Deutschland  zusammen
  und  nahm  das  Kreuz:  jene  flammende  Begeisterung,  welche
den  ersten  Anfang  der  Kreuzzüge  getragen  hatte,  schien  wieder  erwacht
  zu  sein.  Der  schnelle  Tod  Gregors  VIII.  (17.  December
1187)  brachte  darin  keine  Aenderung  hervor,  denn  der  neue  Papst,
Clemens  III.,  folgte  der  von  ihm  vorgezeichneten  Bahn  mit  gleichem
Eifer.  Aber  nicht  bloß  in  Deutschland  warb  man  zu  dem  großen
Unternehmen,  auch  nach  England  und  Frankreich  wandte  man  sich:
kleinasiatische  Geistliche,  an  der  Spitze  der  Bischof  von  Tyrus,
durchzogen  diese  Länder  und  begeisterten  durch  Schilderung  der  Leiden,
  die  sie  durchgemacht,  alles  zur  Annahme  des  Kreuzes.  Die
durch  Reichthum  und  Macht  gleich  wichtigen  Städte  Italiens  vereinigten
  die  Kräfte,  welche  sie  bisher  im  Kampfe  gegen  einander  und
gegen  den  Kaiser  vergendet  hatten,  zur  Unterstützung  des  großen
Unternehmens;  König  Wilhelm  von  Siecilien  entsandte  seine  Flotte
nach  der  asiatischen  Küste;  in  England  nahm  der  Thronerbe,  Prinz
Richard,  das  Kreuz  unter  Zustimmung  seines  Vaters  und  von  ihm
nachdrücklich  unterstützt;  Heinrich  II.  machte  mit  seinem  Gegner
Philipp  II.  August  von  Frankreich  Frieden;  die  angesehensten  weltlichen
  und  geistlichen  Fürsten  beider  Reiche  schmückten  sich  mit  dem
Zeichen  des  Kreuzes;  selbst  die  fernen  Dänen  zeigten  sich  zur  Betheiligung
  bereit.

Als  so  die  ganze  Christenheit  von  Eifer  beseelt  war  und  sich
anschickte,  den  Verlust  der  vor  neunzig  Jahren  unter  den  schwersten
Kämpfen  gemeinsam  eroberten  heiligen  Stadt  auch  gemcinsam  wie-1)

  Vgl.  unter  anderem  Arnold.  Lub.  2)  Am  19.  October  1187.
III,  23—27.  3)  Bgl.  Arnold.  Lub.  III,  28.