Die  letzten  Beziehungen  zu  Friedrich  I.  2c.  379

zerfallen  mit  sich  selbst,  da  er  alles,  was  er  mit  der  größten  Mühe  185.
zu  Stande  gebracht  hatte,  schließlich  scheitern  und  dahinstürzen  sah:
es  war  am  9.  Juli  1189,  als  er  einen  Fluch  gegen  seine  undank=  #.  Auli.
baren  und  treulosen  Söhne  auf  den  Lippen,  seinen  starken  Geist
aushauchte.  Es  folgte  sein  Sohn  Richard  I.:  eine  Persönlichkeit,
deren  Charakter  uns  Ritterlichkeit  und  Perfidie,  Offenheit  und  Hinterlist
  in  einem  ganz  eigenthümlichen  Gemisch  zeigt.  Ein  unerschrockener,
  ja  tollkühner  Kämpfer,  der  es  in  jeder  ritterlichen  Kunst
mit  dem  Besten  aufnahm,  der  die  Gefahren  nicht  nur  nicht  scheute,
sondern  sie  fröhlich  aufsuchte,  ein  richtiger  Abenteurer  im  großen
Maßstabe  und  als  solcher  ein  trefflicher  Repräsentant  des  nach
schnellem  Aufblühen  ebenso  schnell  wieder  dahinsinkenden  Ritterthumes
der  Kreuzzüge;  bei  aller  Untugend,  bei  den  gröbsten  Makeln,  die
sein  Andenken  beflecken,  doch  von  großer  Liebenswürdigkeit,  ein
Mann,  für  den  man  immer  wieder  Interesse  gewinnt  —  wie  sich
ja  auch  die  Phantasie  des  Volkes  in  sein  Wesen  mit  ganz  besonderer
  Vorliebe  vertieft  hat.  Seine  Ritterlichkeit  im  ernsten  Waffengange
  wie  im  heiteren  Spiele  der  Minne  war  in  aller  Welt  Munde,
aber  auch  mit  seinem  Worte  spielte  er,  je  nachdem  es  ihm  vortheilhafter
  schien,  es  zu  brechen  oder  zu  halten.  Sein  Volk  freute  sich
des  glänzenden  prunkvollen  Herrn,  aber  schwer  darniedergedrückt
seufzte  es  zugleich  unter  der  fast  unerschwingbaren  Last  an  Steuern
und  Abgaben  aller  Art,  die  ihm  derselbe  aufbürdete.  Keck  und  verwegen
  im  Kleinen  war  er  es  nicht  weniger  im  Großen,  aber  schlau
und  hinterlistig  dazu.  Seine  Abentenerlichkeit  prägt  sich  nicht  bloß  in
seinen  Kriegsthaten  und  Fahrten  aus,  sie  tritt  auch  in  den  großen
Beziehungen  seiner  Zeit  zu  Tage.  Abenteuer  und  schöne  Weiber
liebte  und  begehrte  er  nicht  weniger  als  Geld  und  Macht.  Richard  I.
hatte  sein  bisheriges  Leben  verbracht  in  fortwährender,  abenteuerlicher
Fehde  gegen  Frankreich,  hin  und  her  schwankend  zwischen  Vertragsschlüssen
  und  Vertragsbrüchen,  mit  seinen  Brüdern  bald  sich  blutig
befehdend,  bald  mit  ihnen  im  Bunde  gegen  seinen  Vater  rebellierend,
  und  in  diesem  wilden,  wüsten,  alle  Bande  lösenden  Treiben
hatte  sein  Charakter  alle  seine  Vorzüge  persönlicher  Tapferkeit  und
Ritterlichkeit  ausgebildet,  in  noch  weit  höherem  Grade  aber  jene
dunklen  Flecken,  die  ihn  und  sein  Wesen  nur  zu  gut  kennzeichnen:
Ehrgeiz,  Gier  nach  Geld  und  Macht,  Gewaltthätigkeit,  gänzlicher
Mangel  an  Pietät,  selbstbewußte  Treulosigkeit,  alles  dies  bedient
von  einem  klugen,  weitsehenden  und  scharf  berechnenden  Geiste.  Ein