Die  letzten  Beziehungen  zu  Friedrich  I.  2c.  381

milie  über  ihn  hereingebrochen  war.  Während  seines  Aufenthaltes
bei  Richard  I.  erhielt  er  die  traurige  Nachricht,  daß  seine  edle  Gemahlin
  Mathilde  am  28.  Juni  zu  Braunschweig  gestorben  sei.)  Es
war  das  für  den  Herzog  eine  tief  schmerzliche  Botschaft:  Mathilde  war
von  hoher  und  edler  Gesinnung  gewesen;  die  Milde  lund  Weichheit
des  Weibes  verband  sie  mit  einem  starken  und  muthigen,  auch  in
den  großen  Dingen  der  Welt  wohlerfahrenen  Geiste;  die  Stärke
ihres  Charakters,  zugleich  auch  ihre  liebevolle  Anhänglichkeit  hatte
sie  bei  dem  schweren  Schicksalswechsel,  der  ihren  Gemahl  betroffen,
in  der  schönsten  Weise  bethätigt,  gutes  Muthes  war  sie  ihm  in  die
Verbannung  gefolgt  und  hatte  ihm  in  den  trüben  Stunden  dieser
Zeit  Trost  und  Zuspruch  gewährt.  Auch  an  den  großen  Angelegenheiten
  des  Staates  hatte  sie  Antheil  zu  nehmen  verstanden,  hatte
sich  in  jeder  Hinsicht  als  die  eines  so  großen  Mannes  würdige
Gattin  gezeigt.  Daher  hatte  ihr  Heinrich  auch  jetzt  für  die  Zeit
seiner  neuen  Abwesenheit  die  Wahrnehmung  der  Interessen  seines
kleinen  Besitzthumes  anvertraut.  Deun  schon  lange  zuvor  hatte  sie
sich  in  den  Zeiten  seines  noch  ungetrübten  Glanzes  weit  größeren
Geschäften  gewachsen  gezeigt,  als  sie  während  Heinrichs  Reise  nach
dem  heiligen  Lande  die  Regierung  zweier  Herzogthümer  mit  starker
und  sicherer  Hand  zu  seiner  Zufriedenheit  geführt  hatte.  Jetzt
raffte  sie  ein  plötzlicher  Tod  dahin  und  Heinrich  verlor  damit  nicht
nur  eine  geliebte,  in  des  Lebens  Glanz  wie  in  seinen  Leiden  gleich
bewährte  Gattin,  sondern  auch  einen  Beistand  in  der  Führung  seiner
  so  schwierigen  Angelegenheiten.  Er  beweinte  in  ihr  nicht  bloß
die  edle  Mutter  seiner  Söhne,  sondern  sah  auch  in  diesem  Augenblicke
  sein  noch  übriges  Land  der  leitenden  und  schützenden  Hand
seiner  Regentin  beraubt  und  der  Willkür  seiner  Feinde  preisgegeben.
Denn  auch  diese  suchten  sich  des  Kaisers  Abwesenheit  zu  Nutze  zu
machen.  Zwar  hatte  der  Kaiser  Heinrich  dem  Löwen  in  Goslar
die  Zusicherung  gegeben,  daß  seine  Besitzungen  in  der  Zeit  seiner
Abwesenhelt  durchaus  unberührt  und  unangefochten  bleiben  sollten?);
aber  so  ernst  es  dem  Kaiser  mit  diesem  Versprechen  war,  so  konnte
er  in.  der  Ferne  doch  die  gierigen  Hände  der  Gegner  Heinrichs  nicht
von  unberechtigten  Eingriffen  abhalten.  Diese  Lage  der  Dinge  trieb
1)  Ann.  Steder  b.  Lc.  geben  als  28.  Juni.
Todestag  in  vigilia  Petri  et  Tauli  2)  Ann.  Stederb.  l.  o.  „omnia
apostolorum  (9.  April);  richti  biger  w0  woht  "us  in  flrmissime  pace  fore  cousti-Neerolog.

  Luneburg.  ab  tuens.“
Noten  III,  p.  47  IV.  i.  Julii  b.  "-El

