11609.

382  3.  Buch.  6.  Kapitel.

den  Herzog  doppelt  zur  Eile  und  er  beschloß,  seinen  Vorsatz  nun
schnell  und  energisch  auszuführen.  Zugleich  gewann  er  durch  sie
einen  Vorwand  und  wenigstens  eine  scheinbare  Rechtfertigung  seiner
wortbrüchigen  Handlungsweise.  So  brach  er  um  Michaelis  1189,
noch  nicht  ein  halbes  Jahr  nach  seiner  Abreise  aus  Deutschland  und
nur  wenige  Monate  nach  der  Entfernung  des  Kaisers,  nach  Deutschland
  auf.  Er  schickte  seinen  ältesten  Sohn  Heinrich  voraus;  bald
folgte  er  ihm  selbst.)

Sechstes  Kapitel.
Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.

Als  Heinrich  der  Löwe  um  Michaelis  1189  ganz  unerwartet
nach  Sachsen  zurückkehrte,  fand  er  alles  in  einer  sehr  günstigen
Lage  und  der  glückliche  Anfang,  den  sein  treuloses  Beginnen  nahm,
mochte  ihn  in  der  Hoffnung  bestärken,  seinen  Gegnern  bald  wieder
im  vollen  Glanze  seiner  ehemaligen  Macht  gegenüberzustehen.  Denn
es  fand  sich  niemand,  der  seinem  überraschenden  Vordringen  hätte
Einhalt  thun  können.  Heinrich  VI.  weilte  am  Rhein,  mit  Ordnung
der  Reichsangelegenheiten  beschäftigt;  Herzog  Bernhard  von  Sachsen
war  —  wie  das  schon  die  Fehden  der  letzten  Jahre  zur  Genüge
gezeigt  hatten  —  außer  Stande,  das  aufgeregte  Land  zu  bändigen.
Derjenige  sächsische  Große,  der  beinahe  das  meiste  Ansehen  genoß.
der  auch  die  bedeutendste  Macht  hatte,  Graf  Adolf  von  Schauenburg,
  war  fern  von  seinem  Gebiete  mit  dem  Kaiser  nach  dem  heiligen
  Lande  gezogen.  Für  die  Zeit  seiner  Abwesenheit  hatte  er  die
Verwaltung  des  Landes  seinem  Verwandten,  Adolf  von  Dassel,

übergeben;  aber  trotz  des  besten

1)  Ann.  Stederb.  p.  221:  Unde
isdem  dux  Heinricum,  silium  suum
maiorem,  inopinate  misit  et  ipse  contra
  constitutum  sibi  in  brevi  eum  subsecutus
  est.  —  Die  Zeit  der  Ankunft,
um  Michaelis,  giebt  Arnold.  *  IV.  I.
—  Benedict.  Petrobu  p.  495,
Rodem  mense  Oetobri  H.  11#  Sazoniac,
  audito,  quod  uxor  sun  esset  de-Willens

  sah  sich  dieser  bald  außer

functa,  misit  Henricum  fllium  sunm
in  Saxoniam  primogenitum  et  ipse
veniens  contra  sacnmentum,  quod
secerat  domino  suo  imperatori,  secutus
est  flium  suum  festinanter  —  —.
Bgl.  Chron.  Laedenee  ap.  Meidom,
  II,  p.  99,  wo  die  Namen  mehrerer.
H.  auf  bieser  Me  begleitenden  Edelleute
  genannt  werden.