Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  383
Stande,  dem  Vordringen  des  Welfen  Einhalt  zu  thun.!)  Auch  war
es  für  den  glücklichen  Fortgang  seines  Unternehmens  von  vornherein
  entscheidend  gewesen,  daß  der  bedeutendste  Kirchenfürst  Sachsens
sich  widerstandslos  an  ihn  anschloß  und  ihm  in  jeder  Hinsicht  Vorschub
  leistete.  Wie  die  Dinge  einmal  lagen,  hätte  sich  Hartwig  II.,
Erzbischof  von  Bremen,  auch  nur  wenig  Erfolg  versprechen  können,
wenn  er  es  versucht  hätte,  Heinrich  Widerstand  zu  leisten.  Daß  er
ihn  nicht  mit  Gewalt  der  Waffen  zur  Umkehr  in  vas  Exil  würde
nöthigen  können,  wußte  er  nur  zu  gut,  und  da  ganz  Sachsen  dem
heimkehrenden  Herzoge  offen  stand,  er  vielfach  sogar  als  ein  Retter
von  vielem  Ungemach  begrüßt  worden  sein  mag,  seine  einstmaligen
Vassallen  zahlreich  zu  ihm  zurückkehrten,  so  sah  Hartwig  II.,  daß
er  im  Falle  ernstlichen  Wiverstandes  nur  den  größten  Schaden  zu
gewärtigen  haben  würde.  Er  war  überhaupt  kein  Mann,  der  eine
bestimmte  Gesinnung  gehabt  und  an  deren  Vertheidigung  alles  gesetzt
  hätte,  im  Gegentheil  suchte  er  zuerst  immer  sich  selbst  zu  sichern
und  stand  daher  stets  auf  der  Seite,  wo  er  den  größten-  Vortheil
zu  erwarten  hatte.)  Wie  er  früher  trotz  seiner  nahen  Beziehungen
zu  Heinrich  dem  Löwen  und  trotz  der  mannigfachen  Förderung,  die
er  demselben  verdankte,  in  der  Zeit  der  Noth  von  ihm  abgefallen
war,  weil  es  für  ihn  selbst  gewinnreicher  war,  so  schloß  er  sich  jetzt
aus  demselben  Grunde  dem  Heimgekehrten  an.  Denn  that  er  das
nicht,  so  hatte  er  und  seine  Kirche  des  Herzogs  ganze  Rache  zu  gewärtigen.
  Hartwig  II.  nahm  daher  den  Herzog  nicht  nur  freundlich
auf  und  leistete  ihm  Beistand,  womit  er  konnte,  sondern  er  gab  ihm
sogar  einen  stattlichen  Strich  Landes,  die  Grafschaft  Stade,  zu
Lehen.))  Damit  hatte  Heinrich  in  Sachsen  festen  Fuß  gefaßt  und
insofern  war  er  Hartwig  allerdings  zu.  großem  Danke  verpflichtet.
Daß  aber  ein  so  sehr  auf  seinen  Vortheil  bedachter  Mann  wie
Hartwig,  auch  wenn  er  augenblicklich  keinen  anderen  Ausweg  sah,
nicht  noch  von  irgend  einer  anderen  eigensüchtigen  Absicht  bestimmt

1)  Arnold.  Lub.  IV.  1.

2)  Bgl.  Arnol  d.  Lub.  III,  13
ertr.,  wo  Hartwig  charakterisiert  wird
als  „non  adversitatis,  sed  pro  speritatis
  amieus,  nee  de  singulari  amieitia,
sed  de  vulgari,  auia  „vulgus  amieitias
  utilitate  probat

Arnold.  Lub.  IV,  1:  —  Hortvicus
  —  dominum  ducem  Henricum
una  cum  fllio  suo  dcquivoco  circa  festum

  S.  Michaclis  de  Anglia  revertentem,
  benigne  suscepit.  Et  sperans.
se  per  eum  recuperare  posse  pristinum
  statum,  qui  iam  omnibus  ab  fere
despectus  erat  propter  Thetmarchos,
quos  a  Waldemaro  Slesvicensi  requirere
  non  valebat,  et  faciens  cum  eo
amicitias,  eum  in  Stadio  collegit  et.
cometiam  in  manu  eins  consignavit.

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