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384  3.  Buch.  6.  Kapitel.

gewesen  sein  sollte,  ist  kaum  anzunehmen.  Der  Bremer  Erzbischof
schloß  sich  nun  zum  guten  Theile  auch  deshalb  an  Heinrich  den  Löwen
  an,  weil  er  durch  ihn  wieder  in  den  Besitz  Dithmarschens  zu
kommen  hoffte,  dessen  Verlust  er  vurch  seine  Geldgier  und  Gewaltthätigkeit
  selbst  veranlaßt  hatte.  Darin  aber  hatte  Hartwig  jedenfalls
  Recht,  daß,  wenn  erst  Heinrich  der  Löwe  wieder  an  ver  Spitze
Sachsens  stehen  würde,  die  Uebergriffe  der  Dänen  und  ihre  Erweiterungen
  auf  Kosten  Deutschlands  ein  Ende  haben  würden  —  eine
Ueberzeugung,  die  auch  Knud  VI.  von  Dänemark  selbst  gehabt  zu
haben  scheint.  Denn  nur  so  wird  es  eigentlich  erklärlich,  warum
er,  der  den  Herzog  erst  mit  zu  seinem  Wortbruche  angereizt  hatte,
der  mit  dem  Kaiser  selbst  verfeindet  und  mehr  als  einmal  im  Begriffe
  gewesen  war,  loszuschlagen,  seinen  Schwiegervater  jetzt  ohne
Hülfe  läßt  und  statt  ihn  nachdrücklichst  zur  Erlangung  des  Sieges
zu  unterstützen,  ruhig  und  unthätig  zusieht,  wie  derselbe  nach  glänzenden
  Fortschritten  schließlich  doch  wieder  unterliegt.  Es  waren
dieselben  Ursachen,  die  ihn  schon  bei  Heinrichs  erster  Rückkehr  aus
dem  Exile  abgehalten  hatten,  die  Waffen  zu  seinen  Gunsten  zu  ergreifen.
  Die  Regierung  seines  Vaters,  Waldemars  I.,  und  seiner
Vorgänger  hatte  es  zu  deutlich  gezeigt,  daß  die  Interessen  Sachsens
und  Dänemarks  sich  feindlich  gegenüberstanden,  daß  ein  starkes,  auch
nach  außenhin  wachsames  Herzogthum  in  Sachsen  die  von  Dänemark
  begehrte  und  begonnene  Ausdehnung  unmöglich  machte.  Und
wenn  Heinrich  der  Löwe  auch  fernerhin  so  glücklich  kämpfte,  wie  im
Anfange,  so  hatte  Knud  allerdings  Grund  zu  fürchten,  daß  dieser
Fall  bald  wieder  eintreten  würde.

Denn  nachdem  er  durch  den  Anschluß  des  Erzbischofs  von
Bremen  und  durch  die  Belehnung  mit  der  Grafschaft  Stade  eine
feste  Grundlage  für  seine  Unternehmung  gewonnen  hatte,  auch  immer
mehr  seine  einstigen  Vassallen  sich  ihm  wieder  anschlossen,  so  wandte
sich  Heinrich  gegen  den  mächtigsten  der  sächsischen  Großen,  den  er
wegen  seines  Abfalles  in  dem  Kampfe  mit  Friedrich  I.  noch  besonders
  haßte.  Adolf  von  Schauenburg  selbst  war  auf  dem  Kreuzzuge
abwesend,  und  sein  Stellvertreter,  Graf  Adolf  von  Dassel,  war
einem  solchen  Kampfe  nicht  gewachsen.  Die  Elbe  überschreitend  und
Holstein  angreifend  wandte  sich  Heinrich  der  Löwe  jetzt  direkt  gegen
ihn.  Sofort  bei  seinem  Eintritte  in  das  Land  fiel  ihm  alles  offen
zu.  Die  Fürsten  der  Holsaten  und  Stormarn  gingen  dem  so  gefürchteten
  Herzoge  entgegen  und  boten  ihm  den  friedlichen  Eintritt