Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  385

in  ihr  Land  an.  Heinrich  nahm  sie  freundlich  auf  und  um  sie  fester
an  sich  zu  ziehen,  machte  er  ihnen  für  die  Zukunft  die  größten  Versprechungen.“)
  Adolf  von  Dassel  sah,  daß  unter  diesen  Umständen
von  einem  Widerstande  doch  nichts  mehr  zu  hoffen  sei.  Indem  er
das  offene  Land  dem  Gegner  preisgab,  zog  er  sich  nach  Lübeck  zurück,
wohin  er  auch  des  Grafen  von  Schauenburg  Mutter  und  Gemahlin
in  Sicherheit  gebracht  hatte.  Erst  hinter  seinen  festen  Mauern
wollte  er  Heinrich  energischen  Widerstand  entgegensetzen.  In  schnellem
  Siegeszuge  bemächtigte  sich  Heinrich  der  Löwe  der  festen  Plätze
des  Schauenburgers.  Hamburg,  Plön,  Itzehö5e  fielen  schnell  nach
einander  in  seine  Hände  und  wurden  mit  seinen  Truppen  besetzt.)
Dann  wandie  sich  Heinrich,  indem  er  die  festen  Städte  Lübeck  und
Segeberg  einstweilen  unbeachtet  ließ,  gegen  Bardewieck.  Vor  dem
glänzenden  Aufschwunge,  den  Lübeck  in  dem  letzten  Jahrzehnt  genommen
  hatte,  war  Bardewiek  die  bedeutendste  Handelsstadt  in
Norddeutschland  gewesen.  Seitdem  aber  Heinrichs  Schöpfung  an
der  Mündung  der  Trave  zu  immer  höherer  Blüthe  gedieh,  begann
Bardewiek  zu  sinken,  und  während  es  einst  der  Centralpunkt  für
den  Handel  zwischen  Norddeutschland  und  dem  skandinavischen  Norden
  gewesen  war,  ging  jetzt  dieser  Verkehr  fast  ganz  in  den  Besitz
Lübecks  über.  Daraus  entsprang  zwischen  den  beiden  Städten  eine
bedeutende  Rivalität.  Bardewiek  trug  seinen  Verlust  nur  schwer
und  wandte  seinen  Groll  namentlich  gegen  Heinrich  den  Löwen,  in
dem  es  nicht  mit  Unrecht  den  Urheber  seines  Verfalles  sah.  Schon
früher  hatten  sich  daher  die  Bürger  von  Bardewiek  auf  die  Seite
der  Feinde  des  gewaltigen  Herzogs  gestellt,  und  auch  jetzt  ergriffen
sie  die  Gelegenheit,  ihrer  Misstimmung  gegen  ihn  Ausdruck  zu
geben,  indem  sie  für  den  abwesenden  Grafen  Adolf  von  Schauenburg
die  Waffen  ergriffen.

Diese  Gefahr  zu  beseitigen,  eilte  Heinrich  gegen  die  Stadt.
Mit  einem  ansehnlichen,  namentlich  aus  Holsaten,  Stormarn  und
Polaben  bestehenden  Heere,  welches  durch  den  Zuzug  seiner  alten
Anhänger,  Bernhards  von  Ratzeburg,  Bernhards  von  Wölpe,  Helmolds
  von  Schwerin  und  anderer  zu  bedeutender  Stärke  anwuchs,
schloß  er  Bardewiek  von  allen  Seiten  ein.  Zwar  leisteten  die

1)  Arnold.  Lub.  l.  e.  Quo  audito  runt.  Qui  gavisus  est  et  eos  exaltare
meliores  Holsatorum,  Stormariorum  8popondit,  si  per  eos  introitum  habere
duei  H.  occurrerunt  et  paciflce  eum  Wosset.
salutafites  introitum  ei  terrac  obtule-  2)  Arnold.  Lub.  IV,  1  ertr.

Pruy,  Helnrich  der  Läwe.  25