1189.

W.  Oct.

10.  Nov.

386  3.  Buch.  6.  Kapitel.

Bürger  und  die  Krieger  des  Grafen  Adolf,  welche  die  Besatzung
bildeten,  tapferen  Widerstand:  dem  heftigen  und  von  leidenschaftlichem
  Eifer  beseelten  Angriffe  der  Feinde  konnten  sie  aber  auf  die
Dauer  nicht  widerstehen.  Am  Tage  Simonis  und  Judä,  dem
28.  October  1189,  fiel  die  Stadt  in  die  Hände  Heinrichs  und  hatte
es  nun  schwer  zu  entgelten,  daß  sie  zuerst  dem  wortbrüchigen  Herzoge
in  der  Besitzergreifung  des  schutzlosen  Landes  hatte  Einhalt  thun
wollen.  Die  ganze  Besatzung  sowie  die  meisten  Bürger  wurden  als
Kriegsgefangene  fortgeschleppt;  nur  mit  genauer  Noth  entgingen
ihre  Weiber  und  Kinder  demselben  Schicksal.  Der  Zorn  des  Siegers
  schonte  nichts:  die  Kirchen  selbst  und  die  heiligen  Stätten  wurden
  dem  Untergange  geweiht,  das  irgend  Werthvolle  geraubt,  die
Stadt  selbst  den  Flammen  preisgegeben.)  Das  Werk  der  Zerstsrung
  war  ein  vollständiges  und  eines  Löwenzornes  allerdings  würdig:
  da,  wo  einst  zahlreiche  Kaufleute  mit  reichen  Waarenschätzen
lebten,  wo  Deutsche,  Skandinavier  und  Slaven  in  buntem  Durcheinander
  Handel  und  Verkehr  ferner  Gegenden  vermittelten,  da
ragen  heute  einsam  und  traurig  die  Trümmer  der  stattlichen  Kathedrale
  aus  der  Ebene  empor  und  bezeichnen  mahnend  die  Stätte
einstigen  Glanzes  und  blühenden  Reichthumes.  Ueber  dem  Portale
  aber  mahnt  die  Inschrift  „Vestigia  Leonis“  —  „des
Löwen  Spur“  —)  an  den  gewaltigen  Mann,  der  das  Werk  der
Zerstörung  vollbrachte,  aber  trotz  seines  Löwenmuthes  sich  von
dem  tiefen  Falle,  den  er  vurchgemacht,  nicht  wieder  zu  erholen
vermochte.

Nachdem  er  an  Bardewiek  ein  so  strenges  Strafgericht  vollzogen
  hatte,  konnte  sich  der  Herzog  mit  Nachdruck  gegen  Lübeck  wenden.
  Im  November,  um  Martini,  näherte  er  sich  der  Stadt,  wohin
sich  Graf  Adolf  von  Dassel  und  seine  Schutzbefohlenen,  des  Grafen
von  Schauenburg  Mutter  und  Gemahlin,  zurückgezogen  hatten.  Die
Bürger  von  Lübeck  aber,  eingedenk  ihres  einst  so  bevorzugten  Verhältnisses
  zu  Heinrich  dem  Löwen,  durch  den  erschütternden  Ausgang
  ihrer  Nebenbuhlerin  Bardewiek  erschreckt,  waren  nicht  geneigt,
durch  hartnäckigen  Widerstand  ein  ähnliches  Schicksal  über  sich  heraufzubeschwören.
  Sobald  daher  Heinrich  vor  ihren  Mauern  erschien,

1)  Das  Datum  geben  Ann.  Slta-  in  dieser  Geschichte  vgl.  4.  e
dens.  p.  351.  Arnold.  I.  ub.  IV.  2  De  rebus  inter  H.  m
berichtet  ausführlich  über  die  Einnahme  2)  Vgl.  Danirr,  ———  p.

von  B.  Ueber  das  sagenhafte  Element  1212