Die  Kämpfe  mit  Heinrich  VI.  387

erklärten  sie  sich  bereit,  ihm  friedlich  die  Thore  zu  öffnen;  nur  die
eine  Bedingung  stellten  sie,  daß  dem  Grafen  Adolf  von  Dassel  und
den  Seinigen  freier  Abzug  gewährt  werde.  Ohne  Weiteres  gestand
Heinrich  dies  zu  und  zog  so  ohne  Schwertstreich  in  die  reiche  und
so  überaus  wichtige  Stadt  ein.)  Durch  so  glänzende  Erfolge  mehr
und  mehr  ermuthigt  und  zu  immer  größerer  Thätigkeit  angespornt,
wandte  er  sich,  um  seinen  Vortheil  rüstig  zu  verfolgen,  gleich  darauf
gegen  des  Herzogs  Bernhard  Festung  Lauenburg.)

Aber  schon  traten  ihm  seine  Gegner  in  den  Weg.  Die  plötzliche
  Rückkehr  des  Herzogs  gegen  sein  eidliches  Versprechen  war
allen  durchaus  überraschend  gekommen;  die  sächsischen  Verhältnisse
waren  ohnehin  so  verwirrt,  daß  an  einen  sofortigen  ernstlichen  Widerstand
  nicht  zu  denken  war.  Nur  so  hatte  es  Heinrich  gelingen
können,  in  so  kurzer  Zeit  und  fast  ohne  Waffengewalt  sich  in  den
Besitz  eines  bedeutenden  Theiles  seines  ehemaligen  Herzogthumes  zu
setzen.  Denn  der  neue  Herzog  Bernhard,  dessen  Sache  es  recht
leigentlich  gewesen  wäre,  dem  Vordringen  Heinrichs  energisch  Einhalt
zu  thun,  hatte  so  wenig  Boden  in  seiner  neuen  Stellung  gewonnen,
daß  er  zu  kräftigem  Widerstande  durchaus  nicht  in  der  Lage  war.
Er  hatte  sich  daher  klagend  an  König  Heinrich  gewandt  und  ihn
aufgefordert,  ihn  in  seinen  Rechten  zu  beschützen.  Heinrich  Vl.  verkannte
  keinen  Augenblick  die  ungeheure  Gefahr,  welche  nicht  bloß  für
die  Ruhe  Deutschlands,  sondern  auch  für  seine  eigene  Herrschaft  in
diesem  Wiederauftreten  des  Sachsenherzogs  lag.  Mit  rücksichtsloser
Energie  galt  es  hier  durchzugreifen,  wenn  er  die  schlimmsten  Folgen
abwenden  wollte;  und  bei  den  schnellen  Fortschritten,  die  Heinrich
machte,  kam  es  auch  vor  allen  Dingen  darauf  an,  in  der  kürzesten
Zeit  dem  Aufstande  ein  Ende  zu  machen.  Da  nun  aber  alle  Fürsten,
  besonders  die  sächsischen,  durch  den  Versuch  Heinrichs,  seine
Macht  wiederzuerlangen,  im  höchsten  Grade  gefährdet  waren,  so
glaubte  der  König  mit  Recht  auf  den  schnellsten  und  kräftigsten  Beistand
  gegen  ihn  rechnen  zu  können.  Um  die  Mitte  des  Octobers
(d.  16.)  1189  hielt  Heinrich  VI.  zu  Merseburg  einen  Reichstag  und
forderte  die  Fürsten  zum  Kampfe  gegen  Heinrich  den  Löwen  auf.

1)  Arnold.  Lub.  IV,  2.  stram  ducis  Bernhardi,  et  post  men-2)
  Arnold.  Lub.  1.  o.  Cumque  sem  traditum  est  in  manibus  eius,
dux  obtinuieset  civitatem  et  omnem  hac  tamen  conditione,  ut  hi,  qui  in
terram  Adolft  comitis  tunc  peregrini,  Castro  erant,  illnosi  abirent.  Vgl.
atatim  expugnabant  Lovenburg,  ea-  Ann.  Stederburg.  p.  221.
25“

1189.

2

Oct.